Die 11 des Spieltags (2)

Sahin, Müller und die Technik

Die Technik
Fliederblauer Hintergrund bei Eurosport, Tonprobleme bei Sky, Störungen bei der Telekom und teilweise nur der Bundesligatrailer bei Amazon. Ganz gleich, welcher Sender übertrug, irgendwas war an diesem Spieltag immer. Was zumindest einen Sieger zur Folge hatte: die gute alte Radiokonferenz.

Holger Badstuber
Wir hadern ja oft mit dem Fußballgott, ganz besonders wenn wir uns erneut das WM-Halbfinale von 2006 ansehen oder die Aufstiegsregelung in der Regionalliga (was auch immer der Fußballgott dafür kann). Oder eben wenn uns die Verletztenliste von Holger Badstuber vorgelegt wird. Dann zetern und klagen und schimpfen wir drauf los. Und dann, kurz bevor wir uns vom Sport abwenden wollen und wahrscheinlich kläglich scheitern würden, schädelt dieser Badstuber vor ausverkauftem Haus, als Anführer einer Cannstätter Rasselbande, den Ball ins Tor. Und lässt uns wieder an den Fußball glauben.

Nuri Sahin
Unter Peter Bosz finden in Dortmund Fast-Vergessene zu alter Stärke zurück. Mario Götze, das Selbstbewusstsein auf den Rängen, es würde nicht wundern, wenn Frank Mill bald wieder auf Torejagd gehen würde. Am Stärksten ist zurzeit aber Nuri Sahin, Profiteur der Verletzung von Julian Weigl, und derzeit Führender auf der Liste des Bundesligators des Jahres - wohlgemerkt am zweiten Spieltag. Setzte den Ball per Dropkick in einer affenartigen Geschwindigkeit und Geradlinigkeit ins Berliner Tor, dass sich Gerüchten zufolge Elon Musk noch gestern die Technik für sein Hyperloopsystem patentieren ließ.

Hannovers Minimalismus
Übrigens ist Hannover 96 seit dem Wochenende als gängige Übersetzung des Wortes »Minimalismus« erlaubt. Denn mit nur fünf Schüssen aufs Tor und zwei Treffern, somit also zwei 1:0-Siegen und sechs Punkten liegen die Niedersachsen - sofern uns diese Zahlenspielerei nicht jetzt schon überfordert hat - auf Platz Vier. Dass das nicht direkt zu Europapokal-Gesängen auf den Rängen führte, hat, neben Martin Kind, auch den Grund, dass Coach Breitenreiter noch von alter Station gezeichnet ist und zu einer Neujustierung der Saisonziele nur sagte: »Wir sind ja nicht auf Schalke, sondern in Hannover. Da geht man mit gewissen Dingen realistisch um.«

Sören Storks
Noch weniger auf Einsatz hoffen als Benedikt Höwedes dürfen zurzeit eigentlich nur die vierten Offiziellen. Sitzen deshalb meistens auf einer einsamen Bank, gehen pflichtbewusst oder aus Langeweile zu den Trainern, wenn die im wahrsten Sinne die Linie übertreten und zeigen zweimal pro Spiel die Nachspielzeit an. Ein ruhiger Arbeitstag, der für Sören Storks ganz anders endete. Nachdem sich Dr. Felix Brych in Köln verletzte, musste Storks an die Pfeife und zeigte Hamburgs Mergim Mavraj die Ampelkarte. Damit ist Storks nicht nur der erste eingewechselte Schiedsrichter, der einen Platzverweis aussprach, sondern hat auch mehr Einsatzminuten als eben Höwedes.

Thomas Müller
Wir, die morgens mit Spiritus duschen und abends Grillanzünder aus Holzwolle snacken, freuen uns immer diebisch, wenn irgendwo der Baum brennt. Umso schöner, dass das neueste, leicht kokelnde Exemplar an der Säbener Straße steht. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil Thomas Müller, ausgerechnet Müller, dieser stoische Teamplayer, sich über mangelnde Einsatzzeit echauffiert hat. Quasi der Glimmstängel unter den Länderspielpausen. Wir bleiben dran, beziehungsweise fahren gleich mit einem Eimer Pyridin nach München.