Die 11 des Spieltags (2)

MalanD’oh!

Junior Malanda ist jetzt Rekordnichttorschütze, Xabi Alonso übernimmt direkt das Zepter und mit den Sonntagsspielen könnte man ganze Tierheime einschläfern – eh immer im Halbschlaf: unsere 11 des Spieltags 

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Junior Malanda
So langsam muss man sich Sorgen machen, ob Junior Malanda zuhause die Zimmertüren findet oder immer und immer wieder gegen die Türrahmen läuft, bis ihm jemand zeigt, wo der Eingang ist. Nach seinem Fehlschuss gegen die Bayern vorige Woche stand ihm im Spiel gegen Frankfurt das Tor erneut offener als Rainer Calmunds oberster Hosenknopf nach einer Stunde am All-you-can-eat-Buffet, und wieder versagtem dem jungen Belgier die Nerven. Gerüchten zufolge wurde Malanda nach dem Spiel am Wolfsburger Bahnhof gesehen, wo er verträumt ein paar Fahrkarten löste, bevor er dann nach Hause ging, um sich um seine Blindfisch-Zucht zu kümmern. Aber auch wenn es sportlich gerade etwas holpert, wenigstens privat läuft’s: Frank Mills Antrag auf Adoption ist jetzt wohl endlich bewilligt worden.

Karim Bellarabi
Noch letzte Woche reüssierte Leverkusens Karim Bellarabi in dieser Liste, weil er gegen Dortmund schneller zum Abschluss kam als einst Boris Becker in der Besenkammer. Diese Woche dürfen wir den Flügelflitzer mit dem kecken Schnauz direkt wieder begrüßen, weil er sich in wenigen Wochen von einem absteigenden Braunschweiger zu einem Champions-League-spielenden Sensationsfußballer gemausert hat. Die Art und Weise, mit der Bellarabi vor dem 3:2 gegen die Hertha mit der gesamten Hintermannschaft Berlins Slalom fuhr, hat ihm nun eine Nominierung für den erweiterten Kader der Ski-Abfahrts-Nationalmannschaft eingebracht. Das Sahnehäubchen war dann sein Volleytreffer zum 4:2-Endstand, bei dem Bellarabi eine Flanke von Hakan Calhanoglu so derart saftig ins lange Eck peitschte, dass das Klatschen des Netzes auch heute morgen noch zwischen den Tribünen der BayArena hin und herschallt.

Marco Reus
Geschwindigkeit, Technik, Ballbehandlung, ein Bewegungsablauf wie ein gut geöltes Uhrwerk - wir sind uns sicher, dass jedes Mal, wenn Marco Reus zu einem seiner Edel-Sprints ansetzt, irgendwo auf der Welt ein PlayStation-Controller aus einem Schrank fällt, um in selbstmörderischer Absicht auf dem Fußboden zu zerschellen. Reus’ Ausnahmeklasse konnte man am Freitag wieder bestaunen, als er kurz die Augsburger Hintermannschaft auf Links zog und eine wunderschöne Kombination so elegant abschloss, dass mehrere internationale Spitzendesigner angefragt haben, ob Reus aus Werbegründen nicht demnächst mal in einem Abendkleid auflaufen könne. Was er wahrscheinlich nicht tun wird. Aber selbst wenn: für 90 Prozent der Bundesliga-Verteidiger würde es auch so reichen.

Xabi Alonso
Da war er plötzlich, Europas Vollbartträger der Jahre 2005-2013, und spielte seine Pässe durch das Bayrische Mittelfeld, als habe er in den letzten Jahren nie etwas anderes getan. Und eigentlich stimmt das auch, denn ob er nun das Münchner Mittelfeld dirigiert oder jenes in Madrid oder Liverpool - wo liegt für so einen erfahrenen Spieler da schon der Unterschied? Man könnte dem Mann eine Fleischwurst in die Hand drücken, er würde damit das Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks fehlerfrei durch Beethovens Fünfte dirigieren. Und anschließend unter Beifall aus dem Saal grätschen, im Frack. Was ein Spieler.

Sebastian Rode
Als im Frühjahr Sebastian Rodes Wechsel nach München öffentlich gemacht wurde, drückte der ein oder andere Kollege die Daumen, dass der sympathische Hesse es zumindest bei den Balljungen in die erste Mannschaft schaffen möge. Wieder andere Kollegen fragten sich, ob Rode eventuell auf der Geschäftsstelle eine Ausbildung anfängt, weil Profifußball ja eine eher unsolide Sache ist. Nur zwei Spieltage und zwei beeindruckende Vorstellungen später kriechen wir mal wieder zu Kreuze, weil Rode bei den Bayern tatsächlich spielt. Und das nicht in der Zweiten, der A-Jugend, der Kegelabteilung, abends mal beim Skat, Playsi mit den Jungs oder Sudoku, während er brav in der Kabine auf die Stammspieler wartet, sondern bei den richtigen, den großen Bayern. Verrückte Fußballwelt.

Sebastian Jung
Von Adorno wissen wir, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt. Und lässt man mal den ganzen intellektuellen Philosophensprech beiseite und bricht Adornos Minima Moralia auf die Kernaussage runter, dann wissen wir, dass er eigentlich davon sprach, dass es als Frankfurter kein Leben im Wolfsburger Trikot gibt. Zu diesem Schluss ist zumindest unsere Philosophie-AG gekommen, die sich immer Donnerstags beim Dönergrill gegenüber zum Diskussionskreis trifft. Gestützt wurde diese These bisher von Marco Russ und Patrick Ochs, seit Samstag nun auch von Sebastian Jung. Denn ausgerechnet Ex-Frankfurter Jung war es, dem im ersten Spiel gegen seine große Liebe das Eigentor zum 1:1 unterlief und die Hessen damit zurück ins Spiel brachte. Zugegeben: Jung wurde eher angeschossen und konnte wenig für das Eigentor. Aber das ist dann höhere Fügung oder Schicksal, und ob es sowas überhaupt gibt, und wenn ja, was das dann ist, haben wir noch nicht erörtert. Machen wir aber Donnerstag.