Die 11 des Spieltags (18)

»Dann erschieße ich die Kerle«

Marco Reus macht den Frank Drebin, Clemens Fritz das Spiel seines Lebens und Alex Meier muss in die Nationalelf. Muss gar nix: unsere 11 des Spieltags.

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Marco Reus
In den letzten Monaten hat Marco Reus mehr Verletzungspech gehabt als einst Detective Nordberg in »Die nackte Kanone«. Nach seiner anscheinend sehr gut verlaufenen Vorbereitung erinnerte Reus am Samstag dann allerdings eher an den kernigen Frank Drebin, dessen Credo »Dann erschieße ich die Kerle. Das ist meine Politik!« Reus' Leistung gegen Gladbach ganz gut zusammenfasst. Wir hoffen nun inständig, dass der Mann mal eine Weile verletzungsfrei bleibt und quasi als Entschädigung für die verpasste WM Deutschland im Sommer zum EM-Titel schießt. Oder wenigstens als Enrico Palazzo die Hymne singt. Neue Verletzungen scheut Reus selber übrigens nicht, denn wie sagte schon der unsterbliche Frank Drebin: »Man geht schon ein Risiko ein, wenn man Morgens aufsteht, über die Straße geht und sein Gesicht in einen Ventilator steckt.« True.

Alex Meier
Dreierpack zum Rückrundenauftakt, Siegtreffer in der 93. Minute, wieder einmal bewahrheitete sich die gute alte Frankfurter Regel: Ein Spiel im Waldstadion ist erst vorbei, wenn Alex Meier im Bett liegt und die Tiefschlafphase erreicht hat. Wobei Meier wohl auch dann noch mehr Torgefahr versprüht als ein handelsüblicher Bundesligastürmer. Nun ist der Kerl schon 33 Jahre alt, trifft seit Jahren wie er will und hat doch kein einziges Länderspiel gemacht. Um diese kosmische Ungerechtigkeit auszugleichen, haben wir eine Petition aufgesetzt, die ihr hier unterschreiben könnt (lies: »müsst«). Wenigstens ein Kurzeinsatz in einem bedeutungslosen Freundschaftsspiel muss doch drin sein, so als Zeichen des Respekts.

Haris Seferovic
Nicht ganz so glatt verlief der Spieltag für Meiers Sturmpartner Haris Seferovic. Nach schwacher Leistung wurde der Schweizer zur Pause ausgewechselt, die eigentliche Watschn folgte aber nach dem Spiel, als sich Trainer Armin Veh Seferovic in aller Öffentlichkeit vorknöpfte. »Drei Tore, davon ein Elfmeter, das ist für mich kein Torjäger. Ich brauche ihn zwar, aber ich habe irgendwann die Schnauze voll. Wir sind kein Ego-Trip«, zürnte der Coach über seinen lustlosen Angreifer, wahrscheinlich während er ein benutztes Einlauf-Set zurück in seine Tasche stopfte. Seferovic hat sich bislang noch nicht zur Kritik seines Trainers geäußert. Wahrscheinlich weil er sich noch im Krankenhaus wegen eines Kopfwäsche-induzieren Schleudertraumas behandeln lässt.

Hugo Almeida
Herzlich Willkommen zurück in der Bundesliga, Hugo Almeida. Obschon wir nicht sicher sind, ob wir Hannovers Neuem jemals werden verzeihen können, dass er einen Schnauz von der Breite einer Flugzeuglandebahn durch seinen Backenbart ent-tomsellekt hat, freuen wir uns dennoch über seine Rückkehr. Schließlich malt er mit seinen Toren symbolische Schnäuzer in die Fußballwelt: Kraftvoll, kompromisslos, ein wenig dreckig und wunderschön. Danke dafür.

Robert Lewandowski
Die Leistung der Bayern in Hamburg mag nicht der totale Hit gewesen sein, das machte aber rein gar nichts. Schließlich hat der FCB mit Robert Lewandowski einen Stürmer in seinen Reihen, der verlässlicher einnetzt als ein durchschnittlicher Fischkutter. So natürlich bei seinem ersten Treffer, vor allem aber beim zweiten, als er in feinster Strafrauminstinktfußballermanier kurz mal den Fuß in den Ball hielt. Der Mann hat so viel Instinkt, er muss zwei Stammhirne haben. Dass der Treffer zählte, war übrigens auch dem Linienrichter...

Harm Osmers
zu verdanken, der als einziger Mensch im Stadion – Robert Lewandowski eingeschlossen – korrekt erkannte, dass der Stürmer tatsächlich nicht im Abseits gestanden hatte. Eine Abseitsstellung, die für das menschliche Auge in etwa so schwer zu erkennen war wie eine Gefühlsregung im Gesicht von Kristen Stewart. Wir sind uns sicher: Wäre Osmers 1963 in Dallas dabeigewesen, er hätte wahrscheinlich sofort gesehen, wer JFK erschoss.