Die 11 des Spieltags (17)

Irgendwer ist immer der Dumme

Davie Selke
Dinge, die Menschen glücklich machen:

• nach fatalem Kneipenbesuch überraschend ohne Kater erwachen
• beim zufälligen Griff in die Gummibärchen-Tüte nur rote Gummibärchen erwischen
• rote Gummibärchen
• Und natürlich: der Ex mal so richtig eins auswischen

Anders ausgedrückt: Wir wissen nicht, ob Davie Selke heute verkatert aufgewacht ist (die Vermutung macht uns allerdings gute Laune), um seinen Gemütszustand brauchen wir uns nach dem Spiel in Leipzig aber definitiv keine Sorgen zu machen.

Die Minuten 88 - 95
Als langsam ins echte Erwachsenenalter abrutschender Fußballfan kommen die Worte Fußball und Verdruss immer häufiger in Kombination vor. Will sagen: Knapp 105 Minuten, nachdem man am Samstagnachmittag die Bundesliga-Konferenz eingeschaltet hat, fragt man sich verlässlich, ob das nun wirklich not tat. Warum man nicht doch einfach mal spazieren gegangen ist, ein »gutes« Buch gelesen oder zumindest den wackligen Schranktürknauf neu verschraubt hat, der einen jetzt wieder die ganze Woche nerven und das Selbstbild Richtung Losertyp rücken wird. Und dann gibt es Konferenzen wie die am Samstag, wo man zwischen 17:14 Uhr und 17:20 Uhr vor dem Fernseher sitzt und vor Freude weinen könnte. Einfach, weil Last-Minute-Tore geil sind. Weil Torschreie, die sich gegenseitig überlagern und uns gleichzeitig aus Frankfurt, Augsburg und Bremen entgegenschnellen, uns wie den Pawlowschen Hund mit ordentlich Speichelfluss im Mund vor Spannung schier platzen lassen. Und weil wir genau deswegen tief im Inneren noch immer wissen, dass Fußball der tollste Sport der Welt ist und wir da ja irgendwie mit drinhängen und deshalb gar keine Losertypen sein können. Deswegen, liebe Bundesliga und mit Verlaub, Dankeschön für die beste Konferenz des Jahres.

Sven Ulreich
Weihnachten ist immer eine Zeit des Nach-Hause-Kommens. Deshalb werden wir es uns in den nächsten Tagen auf dem alten Sofa unserer Eltern gemütlich machen, einen guten Rinderbraten essen, vielleicht eine Runde Dart spielen. Ganz sicher werden wir an einem Abend mit der tödlichen Doppelkorn-Brause-Mischung dafür sorgen, dass wir gar nicht mehr wissen, wo wir mittlerweile wohnen. Auch Sven Ulreich kam am Wochenende nach Hause und feierte das Wiedersehen mit der coolsten Leistung seit Cool Runnings, sodass auch die Bayern gegen Stuttgart was zu jubeln hatten. Inklusive Superparaden und gehaltenem Elfmeter. Darauf ein Doppelkorn-Brause.

VfL Wolfsburg
Wenn uns das Leben bisher eins gelehrt hat, dann das: Irgendwer ist am Ende immer der Dumme. Und wenn wir als Ende das Hinrunden-Ende nehmen und uns dann überlegen, dass der FC Köln bis kurz vor diesem Ende genau kein einziges Spiel gewonnen hatte und mit einer Doppelspitze aus gelernten Außenverteidigern gegen den VfL Wolfsburg antrat, der wiederum mit einem Personaletat anreiste, der in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Belgiens entspricht, und dieser FC Köln dann gegen den VfL Wolfsburg den ersten und vielleicht einzigen Sieg der Saison holte, dann wissen wir auch, wer in diesem Fall und an diesem Ende der Dumme ist. Und weil wir eine Schwäche für das Trottelige, den Misserfolg und das Unschöne haben (sonst würden wir nicht in diesem Moment mit diesen Kollegen in diesem Büro sitzen), sagen wir: Herzlichen Glückwunsch, VfL Wolfsburg.

Die Stadionregie in Frankfurt
Wenn Fredi Bobic findet, dass dir die Ohren langgezogen gehören, kannst du nicht viel falsch gemacht haben. Insofern Kompliment an den Menschen, der beim Stand von 2:0 zwischen Frankfurt und Schalke am Samstag etwa 20 Minuten VOR Abpfiff die Blitztabelle auf den Stadionwürfel klatschte, in der die Eintracht auf Platz drei zu finden war. Was sofort für großen Jubel sorgte und dem Mann oder der Frau, der oder die diesen Geistesblitz hatte, den Moment des Jahres bescherte. Und Fredi Bobic richtig die Laune verhagelte, weil Frankfurt natürlich nicht als Dritter die Hinrunde abschloss, sondern noch den Ausgleich fing und jetzt auf Platz acht eintrudelt. Aber: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.