Die 11 des Spieltags (17)

Feste feiern, wie sie fallen

Max Eberl und Uli Hoeneß liefern sich ein Privatduell der Wutreden. In Franfurt wird nur kurz gefeiert, auf Schalke die ganze Nacht. Trinkt wie immer einen mit: die 11 des Spieltags.

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Uli Hoeneß
Lange hat es gedauert, bis Uli Hoeneß endlich mal wieder zu einer gepflegten Wutrede ansetzte, um die anwesenden Journalisten so richtig in den Senkel zu stellen. Auf Nachfragen zu den etwas ruckelnden Vorstellungen schmiss der Wurstguru dann mal gleich die verbale Häckselmaschine an und schenkte uns das panierte Bonmot: »Hört endlich auf, in jeder Suppe ein Salz zu finden.« Richtig so, und hört auf, noch mal die Haare in die Wunde zu streuen. Oder Wein ins Wasser zu kippen, während ihr Champagner predigt und aus dem Krug trinkt, der so lange in den Porzellanladen geht, bis er bricht.

Naldo
Die »goldene Glatze« hat es nicht nur geschafft, zwei Mal in der Nachspielzeit den Ausgleich zu erzielen. Und damit derart spät mit Vollkaracho aufzutauchen, dass selbst Aubameyang respektvoll nickte. Nein, nur durch ihn sind endlich wieder Beatles-Songs auf den Tribünen der Stadien zu hören. Wurde aber auch Zeit.

Christian Pulisic
In der letzten Minute eines Spiels den Ball mit rechts über den Torwart zu lupfen und mit links zum Siegtor zu vollenden – das hatte so viel Gefühl, dass Coldplay und Lionel Richie dem Tor zu Ehren ein Konzeptalbum aufnehmen wollen. In Zeiten, in denen wir sofort zusammenzucken, wenn von einer neuen Idee eines Mannes aus Amerika die Rede ist, war Pulisic’ Einfall ein wohltuender Moment. Jetzt sollte er schnellstens den Konflikt mit Nordkorea beenden. Mit einem Übersteiger.

Rick van Drongelen
Allein der Name lässt uns vermuten, hier handele es sich um einen Sidekick von Siegfried und Roy. Tatsächlich ist der gute Rick in einer besseren Zirkustruppe angestellt, nämlich beim HSV. Der ja neuerdings krasse Einsparungen vornimmt und direkt mal den Rotstift da ansetzt, wo es richtig wehtut: bei den Blumengeschenken für Mitarbeiter. Da geht selbstverständlich die Angst um, dass bald das Wasser als nächstes von der Ausgabenliste gelöscht wird. Dankbar für jeden letzten Schluck schnappte sich Drongelen gegen Gladbach also die Flasche am Seitenrand und spielte mit ihr auf dem Platz weiter. Dafür sah er Gelb - aber ganz ehrlich: Jeder 11Freunde-Redakteur hat schon Schlimmeres gemacht, wenn er am Freitagabend mächtig Durst hatte.

Max Eberl
Nach der Wutrede von Uli H. (wir berichteten) ließ sich auch Ziehsohn Max Eberl nicht lange bitten und sonderte diverse Kraftausdrücke in Richtung der ungehaltenen Tribünenzuschauer ab. Tatsächlich vernahm man beim 3:1 der Gladbacher das wohl nervigste Pfeifen seit »Wind of Change«. Wir warten jetzt darauf, dass sich Max Eberl endlich mal die »Scorpions« vorknöpft.

Alfred Finnbogason
Bislang stand der Name Alfred für eine Ente, die im Holzschuh lebt, und einen Mann, der in Hosenträgern seine Familie drangsaliert. Wenig schmeichelhaftes Renommee für einen eigentlich nicht üblen Vornamen - dachte sich auch Finnbogason und rettete seinen Augsburgern das Remis in Freiburg. Er steht jetzt mittlerweile bei elf Saisontoren. Laut Wikipedia war Alfred noch in den 1910er Jahren einer der beliebtesten Vornamen in Deutschland. Jetzt könnte er eine Renaissance erleben. Zumindest in neun Monaten wissen wir rund um Augsburg mehr.