Die 11 des Spieltags (15)

Herr Petersen, verblödet

Nils Petersen verblödet ins Glück, Naldo erobert alle Herzen und die Zukunft schätzt Arturo Vidal. Hier kommt unsere 11 des Spieltags.

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Nils Petersen
»Die Fußballbranche ist oberflächlich und wir Fußballer sind nicht so belesen. Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann«, so Nils Petersen vergangene Woche im Magazin Focus. Dann schoss er drei Tore in Köln. Eine Direktabnahme mit links, für die vermutlich so mancher Herr Professor seine Habilitation die Dreisam hinunter treideln lassen würde. Und zwei Elfmeter, in der 90. und 90.+5 Spielminute. Zum 4:3-Auswärtssieg. Nach 0:3-Rückstand.

Und so, lieber Herr Petersen, möchten wir Ihnen zunächst zurufen: Gemessen am Grad ihrer Selbstreflektion scheint es so schlimm gar nicht zu stehen um ihre, mit Verlaub, Verblödung. Und weiterhin: Salopp gesprochen, weinen wir seit über zehn Jahren. Darüber, dass wir eben nicht können, was Sie können. Darüber, dass wir uns damit über Wasser halten müssen, über Fußball zu schreiben. Also genießen Sie die Zeit, die ihnen noch bleibt. Seien Sie sich sicher, dass Sie nie wieder so viele Menschen glücklich machen werden mit dem, was Sie tun. Und dass Sie sehr wahrscheinlich auch nie wieder etwas so gut beherrschen werden, wie das Fußball spielen. Und wenn Sie dann ausgespielt haben, halten wir eine Leseliste und jede Menge Gesprächsthemen, die nichts mit Fußball zu tun haben, für Sie parat. Versprochen. 

Peter Stöger
Von Platz 18 auf Platz 7 in nur einer Woche. Mehr geht nicht.

Arturo Vidal
Irgendwann in ferner Zukunft werden sich dann junge Anhänger des FC Bayern München bei dann alten Anhängern erkundigen: »Du, Gustav«, so könnte das Gespräch beginnen, »wie hat Jupp Jupp Hurra Heynckes es dereinst eigentlich geschafft, die schon so gut wie verloren geglaubte Meisterschaft von 2017/18 doch noch mit über 700 Punkten Vorsprung an die Säbener Straße zu holen?« Und der Gustav wird sich seinen weißen Bart hinunter streichen, der fast bis zum Bauchnabel führt, wie es in ferner Zukunft bestimmt Mode ist, und dann wird er die Augen zu Schlitzen schließen, wie es in gar nicht so ferner Zukunft zum Brauch wurde, in bewundernder Anlehnung an Friedensnobelpreisträger Oliver Kahn.

Und dann wird Gustav in die Kahn'sche Unschärfe schauen, die das Nachdenkliche ist, und doch auch das Wissende, und in diesem Moment auch der Blick zurück, auch an dieses Wochenende in Frankfurt, und er, der Gustav, wird ganz richtig sagen: »Mein lieber Justin Dustin, der Jupp Jupp Hurra Heynckes hat die Meisterschaft 2017/18 geholt, weil er wusste, wie man mit Arturo Vidal umzugehen hat.« 

Sandro Schwarz
Es läuft die 74. Spielminute, da Sandro Schwarz von Schiedsrichter Patrick Ittrich auf die Tribüne verwiesen wird. Mit Folgen, so Sandro Schwarz hinterher: »Dort habe ich neben einer sehr netten Dame gesessen. Ich muss mich bei ihr entschuldigen, denn ich habe sie beim 2:2 auf die Stirn geküsst.« Der Fußball wird halt immer brutaler.

Max Kruse
Er ist Stürmer, blieb in Dortmund ohne eigenen Treffer und war trotzdem der überragende Mann beim Überraschungssieg von Werder. Was mal wieder beweist, was für ein famoser Spieler er ist. Einer, der verdammt nochmal in die Nationalmannschaft gehört. Einer, der - und das meinen wir zur Abwechslung furchtbar ernst - wirklich jeder Mannschaft der Welt gut zu Gesicht stehen würde. Und einer, der vielleicht einfach trotzdem und ab jetzt und für immer bei Werder bleibt. Weil das einfach schön wäre. Punkt.

Die stilvolle Entlassung von Peter Bosz
Die Entlassung von Peter Bosz, sie sei schon, so gewährte BVB-Geschäftsführer Aki Watzke auf der Pressekonferenz Einblick, sehr stilvoll verlaufen. Emotional sowieso. Und so stellen wir uns vor, wie gestern Abend Watzke, Bosz und der Mannschaftsrat in weihnachtlicher Besinnlichkeit am Kamin zusammensaßen. Whiskey (09 Jahre alt) in der Linken, Zigarre in der Rechten. Marco Reus trägt Monokel. Am Ende: Tschüss, beziehungsweise Auf Wiedersehen, habe die Ehre. So wie Watzke allerdings das Wort Stil aussprach – nämlich: Schtiehl – könnte sich der Abschied auch inmitten einer Ansammlung edler Stöcke zugetragen haben. Zumal wir uns fragen, wie stilvoll ein Abschied sein kann, wenn der neue Mann bereits Stunden später auf die Bühne tritt.