Die 11 des Spieltags (12)

Das Rudne muss ins Eckige

Artjoms Rudnevs entscheidet das Nordderby, Marco Reus hat mehr Pech als Donald Duck und Bastian Schweinsteiger und Kalle Riedle sind wieder da. War nie weg – unsere 11 des Spieltags.

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Artjoms Rudnevs
Artjoms Rudnevs und der HSV, das ist eine wahrlich wechselhafte Beziehung. Als Hoffnungsträger geholt und prompt mit dem schönsten Lied der jüngeren Fußballgeschichte bedacht, wurde der Lette voriges Jahr zum Konkurrenten nach Hannover abgeschoben, nur um vor dieser Saison heimzukehren und auf der Bank zu sitzen. Nun wurde der eingewechselte Rudnevs unverhofft zum Derbyheld, als er einen weiten Einwurf von Ashton Götz räudig über die Linie ulfkirstete und so ein 2:0 einleitete, das so offensichtlich eigentlich ein 0:0 war, dass man das Ergebnis zum Outing ermutigen sollte, schließlich leben wir in einer toleranten Gesellschaft. Rudnevs indes wird das alles egal sein, er bewies einmal mehr, dass er eben weiß, wo ein Stürmer zu stehen hat. Und es heißt schließlich nicht umsonst: Das Rudne muss ins Eckige.

Raphael Wolf
Für Fußballästheten war das Nordderby sicherlich nichts, eher für Fußballhasser, die nach Argumenten suchen, warum dieser Sport eigentlich total kacke ist. Da passt es ins Bild, dass Bremens Keeper Raphael Wolf fröhlich beim nordischen Niveau-Limbo mitspielte und gegen Ende sogar noch den Hauptpreis zog, als er sich einen Pfostenschuss von Tolgay Arslan – ebenfalls ein heißer Anwärter auf den Limbo-Gesamtsieg – selber über die Linie fingerte. War letztlich egal, es war ohnehin kaum noch Zeit auf der Uhr. Dennoch aber war die Aktion so unglücklich, dass irgendwo in Düsseldorf Oli Reck zum Patentamt ging, um sich mit einem erleichterten Grinsen den Namen »Pannen-Raphael« schützen zu lassen. Man weiß ja nie.

Marco Reus
Apropos Unglück: Wenn Marco Reus noch mehr Pech hätte, könnte ihn Disney als Donald-Duck-Ersatz engagieren. Nachdem der derzeit wahrscheinlich beste deutsche Fußballer verletzungsbedingt die WM verpasste und mit einem Außenbandriss und Knochenödem in die neue Saison gestartet war, stand er gegen Paderborn nun endlich wieder auf dem Platz, besorgte das 2:0 – und wurde dann von Marvin Bakalorz derart übel umgegrätscht, dass die Dortmunder Mannschaftsärzte Gerüchten zufolge den Paderborner Rasen immer noch nach Sprunggelenkssplittern von Reus durchkämmen. Wir wünschen an dieser Stelle alles Gute und eine schnelle Genesung.

Marvin Bakalorz
Bereits vor einigen Wochen flog Paderborns Marvin Bakalorz mit einer Roten vom Platz, nachdem er sich bei Leverkusens Wendell ein weiteres Sprunggelenk für seine Sammlung ergrätscht hatte. An diesem Samstag kam er um den fälligen Platzverweis herum, aus uns nicht ersichtlichen Gründen, schließlich hatte Bakalorz Marco Reus derart grob aus den Schuhen gekloppt, dass man meinen konnte, Reus' Sprunggelenk habe vorher Bakalorz Mutter beleidigt. Wir wissen ja nicht, ob Sprunggelenke Angst empfinden können, aber falls das so ist, dürfte die Tatsache, dass Bakalorz nach seiner Aktion auf dem Feld bleiben durfte, für Panik unter sämtlichen noch intakten Sprunggelenken auf dem Feld gesorgt haben.

Lukas Rupp
Für ein kleines Schmankerl sorgte im Spiel gegen Dortmund Paderborns Lukas Rupp. Beim Stand von 0:2 kam Rupp an den Ball, wackelte mit einer fließenden Bewegung seiner Hüfte zwei Dortmunder aus und schob den Ball lässig zum Anschlusstreffer ins Eck. Eine Bewegung, so schön, dass sich die Dortmunder Innenverteidiger nach Rupps Aktion gemeinsam zum Paartanz-Kurs angemeldet haben, weil ihnen der Ruppsche Walzer so viel Spaß gemacht hat.