Die 11 des Spieltags (12)

Der labile TSG-Jenga-Turm

Pierre-Michel Lasogga
Es ist gespenstisch, wie die vorderste Bedrohung des HSV derzeit aufspielt: Acht Spiele und ebenso viele Tore stratzte der gaulartige Gladbecker bisher aus den littfaßsäulendicken Oberschenkeln und seinem Minotauros-Nacken. Sogar bei Bayer 04 hielt er seine Mannen mit einem Doppelpack eine Weile im Spiel – und stuckte seinen Riechkolben nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich so resolut ins Leverkusener Grün, dass im HSV-Onlineshop eine Großbestellung des Hamburger Leibchens mit der Nummer 20 auf den Namen »Mike Krüger« eingegangen sein dürfte. Der Träger des Jerseys, also Lasogga, trifft in der Bundesliga im Schnitt alle 68 Minuten, was in etwa der Zubereitungszeit eines Hackbratens entspricht. Wenn da ein kausaler Zusammenhang besteht, heißt diese Rubrik künftig »Die 10 des Spieltages«. Weil Lasogga gesetzt ist.

Timo Werner
Der begehrte »11FREUNDE-Lausbub in Katzengold« geht diese Woche an … bumm tsch … Timo Werner! Dass Freiburgs Defensive lückenhafter als eine Konversation zwischen Sven Väth und Elfriede Jelinek sein würde, stand aufgrund der Breisgauer Personalfluktuation bereits am Sonntagmittag fest. Denn eines wissen selbst wir Hobby-Bundestrainer: Never win a changing team. Aber mit welcher Selbstverständlichkeit und Impertinenz Stuttgarts Wildfang mit seinen 17 Jahren und 250 Tagen dann zum Titel »Jüngster Doppelpacker der Bundesligageschichte« preschte, nötigt uns allen zahnspangenbewährten Respekt ab.

Heung-Min Son
Dinge, die man in einem Bundesligaspiel vermeiden sollte: Drei Tore gegen den eigenen Entdecker schießen. Dinge, die sich in einem Bundesligaspiel geziemen: Gegen seinen Entdecker mit Respekt jubeln. Und da man Asiaten ohnehin hervorragende Manieren nachsagt, hatten wir nichts anderes erwartet, als dass sich Heung-Min Son zwar ehrlich über den ersten Bundesliga-Dreierpack eines Südkoreaners freuen, aber im gleichen Atemzuge auch bereuen würde, dass ihm seine ersten Tore seit dem Saisonauftakt »ausgerechnet« (der Boulevard atmet auf) gegen den Ex-Klub und die »eigene Familie« gelangen. Leid tat uns vorrangig Nationalspieler Heiko Westermann, den der im Körper eines Grundschülers gefangene Koreaner dreimal aussehen ließ wie Lasse Sobiech.

Ivica Olic
Ihr wisst es. Wir wissen es. Dieser Mann taucht im vorliegenden Klassement gewiss nicht das erste und noch gewisser nicht das letzte Mal auf. Der kernige Kroate (34) – Hobbys Reiten, Freunde treffen, Kino und Wühlen – ging gegen Dortmund gewohnt nonkonformistisch zu Werke. Resultat: Den Freistoß zum Ausgleich von Rodriguez herausgeholt, das goldene Tor selbst erzielt. Letzteres war beinahe eine Blaupause seiner Karriere: Staksig in den Zweikampf gehen und den Ball ein bisschen zu weit weg legen, um ihn anschließend aus einem Gummigelenk heraus ein bisschen zu schön an den Dortmunder Innenpfosten zu malen. Wen dieses Tor nicht glücklich gemacht hat, der war es bereits.

Adrian Ramos
Stichwort kernig, Stichwort glücklich – und schon wären wir beim zweiten Herthaner dieser erlesenen Eleven. Das dürfte seit dem ersten Spieltag nicht mehr der Fall gewesen sein. Aber Adrian Ramos nicht zu nominieren, würde diese Elf der auffällig Auffälligen zu beeindruckender Nutzlosigkeit verdammen. Wie Herthas Sturmfeile seine geräumigen Widersacher Süle, Abraham und Vestergaard vernaschte war à la bonne heure. Mit einem ziemlich fragwürdigen Elfmeter schickte er die »Kraichgau Comeback Kids« bauernschlau in die Wuthöhle, bevor sein Fabel-Kopfball das unterste Klötzchen aus dem labilen Jenga-Turm der TSG Hoffenheim zog.