Die 11 des Spieltags (11)

Van Bommels Erbe

Christoph Kramer glänzt per Eigentor, John Heitinga markvanbommelt über den Rasen und Jimmy Briand revolutioniert den Torjubel. Hat wie immer nichts zu feiern – unsere 11 des Spieltags.

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John Heitinga
Es ist schade, dass John Heitingas spontane Lehrstunde des kleinen Foulspiel-Einmaleins nach den Lehren des berühmten Prof. Dr. blut. grätsch. M. van Bommel nicht bereits eine Woche zuvor stattfand, dann hätten wir nämlich noch die Möglichkeit gehabt, uns zu Halloween als gruselige Heitinga-Grätsche zu verkleiden. Aber auch so sind wir zutiefst beeindruckt und verängstigt ob der schieren Stig-Töfting-Haftigkeit, mit der Heitinga seiner Arbeit nachgeht. Im Spiel gegen Hannover trat er zunächst Joselu in den Rücken, nur um wenig später Jimmy Briand von den Beinen zu grätschen und nicht, wie er es eigentlich hätte machen sollen, eine kurze Auszeit zu nehmen, um Schiri Sippel einen Dankesbrief schreiben, weil er unverständlicherweise noch auf dem Platz stehen durfte. Aber vielleicht sitzt er ja jetzt gerade dran.

Christoph Kramer
Mit zu gleichen Teilen Verwunderung, Mitleid und Schadenfreude nahmen wir Christoph Kramers Eigentor gegen Dortmund zur Kenntnis. Aus knapp 45 Metern chippte Kramer den Ball unhaltbar für Torwart Yann Sommer zum 0:1 ins eigene Tor, was in diesem Moment in seinem Kopf vorgegangen ist, weiß wahrscheinlich nur er selber. Und vielleicht Helmut Winklhofer. In jedem Falle war Kramers Eigentor derart bizarr, dass wir sicher sind, dass David Lynch das Drehbuch dazu geschrieben hat. Ob es jetzt demnächst eine Mini-Serie auf »Showtime« gibt, vielleicht mit Johnny Depp als Christoph Kramer oder Kramer passenderweise als Depp, wissen wir nicht. Wir programmieren aber vorsichtshalber schonmal unseren Videorekorder. Per Weitschuss.

Pierre-Emerick Aubameyang
Noch heute morgen herrschte eine betroffene Stimmung in der Redaktion und der ein oder andere Kollege fing immer wieder leise zu weinen an, in Trauer um Pierre-Emerick Aubameyangs Jahrhunderttor, das der Welt durch die Abseitsregel geklaut wurde. Beim Stande von 0:0 verwertete Aubameyang einen hohen Pass in den Strafraum mit einer Art eingedrehtem Volley-Lupfer gegen den Lauf von Keeper Yann Sommer. Eine Bewegung von so unglaublicher Schönheit, dass der BVB darüber nachdenken sollte, ob man nicht im Fanshop demnächst kleine Aubameyang-Abseitstor-Brummkreisel anbieten sollte, gefertigt aus Zierporzellan oder Süßholz oder so. Wir würden auf jeden Fall einen kaufen. Brummbrumm.

Pawel Olkowski
Herzlich Willkommen in der Bundesliga, Pawel Olkowski. Und bitte, bitte mehr von diesen wundervollen Weitschusspeitschen. Im Spiel gegen Hoffenheim erzielte der Neu-Kölner gleich zwei Distanzschuss-Tore, die beide so satt und gleichzeitig so wunderschön waren, dass wir gerührt in die Redaktionsküche gingen, um zur Feier des Tages einen Roberto-Carlos-Oberschenkel aus Marzipan zu modellieren. Mjam.

Matthias Lehmann
Auch Matthias Lehman glänzte gegen Hoffenheim, mit einem wundervollen Freistoßtor zum 2:1. Insbesondere der kurvigen Flugbahn des Lehmannschen Freistoß gebührt an dieser Stelle Erwähnung. Wir sind uns sicher, dass der Ball, wären nicht Torwart und Tornetz im Weg gewesen, nach einer bumerangartigen Flugkurve irgendwann wieder bei Lehmann angekommen wäre. Und dann hätte er ihn wahrscheinlich nochmal reingehauen.

Thomas Müller
Apropos glänzen: Bayerns Thomas Müller glänzt ja mit einer derartigen Regelmäßigkeit, dass man eigentlich einen eigenen Hochglanzlack nach ihm benennen sollte. Im Spiel gegen die Eintracht erfreute uns Müller nicht nur mit seinem bewährten Puppenkisten-Laufstil, sondern auch mit seiner unglaublichen Eiseskälte vor dem Tor, mit der er einen lupenreinen Hattrick erzielte. Wenn der Mann noch cooler wäre, müsste er wahrscheinlich ein Rap-Album aufnehmen. Wobei, lieber nicht.