Die 11 des Spieltags (10)

Robb’n’Roll

In München gibt Arjen Robben Tanzstunden, Werder spielt plötzlich Fußball, und André Hahn und Patrick Herrmann sind die neuen Tango & Cash. Wieder im falschen Film: unsere 11 des Spieltags.

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Arjen Robben
Ob Erik Durm mittlerweile aufgehört hat, sich kotzend im Kreis zu drehen, wissen wir nicht. Allerdings glauben wir nicht so recht daran, denn auch uns ist von Arjen Robbens Highspeed-Tanzeinlagen mit Dortmunds Außenverteidiger noch übel und schwindelig, und wir haben ja nur zugesehen. 90 Minuten ging Robben im Topspiel zwischen Bayern und dem BVB mit Durm Gassi, netter Nebeneffekt allerdings war, dass Durm Gerüchten zufolge nach Abpfiff sämtliche Standard- und Lateinamerikanischen Tänze auf Wettkampfniveau tanzen konnte. Robben brachte sich selber hingegen spontan bei, wie man Elfmeter schießt und erzielte so den 2:1-Siegtreffer im, hüstel, deutschen Clasico. Und Neven Subotic schrie sich vor Wut selber ins Gesicht.

Marco Reus
Um ein Haar hätte Marco Reus mit seinem Tor zum 1:0 die richtige Antwort auf die seit Monaten schwelenden Gerüchte um einen etwaigen Wechsel zum FC Bayern gegeben. Allerdings drehten der Rekordmeister das Spiel, woraufhin sämtliche Sportredaktionen des Landes ihre »Ausgerechnet-Reus«-Headlines wieder verwerfen mussten, nur um sich eine noch blödere Headline auszudenken (etwa »Robb’n’Roll«). Bliebe Reus’ Ohren-zu-Jubel, und man muss kein »Mensa«-Mitglied sein, um zu verstehen, dass Reus damit seine Genervtheit ob der steten Diskussion um seine Person zum Ausdruck bringen wollte. Ob das Kalle Rummenigge davon abhielt, auf der Tribüne verliebt Liebesbriefe an Reus auf FC Bayern-Briefpapier zu schreiben und Hans-Joachim Watzke Reißzwecken auf den Sitz zu legen, wenn dieser kurz den Platz verließ, gilt es allerdings erst noch zu recherchieren. 

Jimmy Briand
All unsere Kompressen und Wundverbände ziehen wir heute feierlich vor Hannovers Jimmy Briand. Der mit dem Körperbau einer Betonmischmaschine ausgestattete Franzose schlug sich in einem Zweikampf mit Frankfurts Marco Russ an dessen Knie K.o. und sollte nach langer Behandlung ausgewechselt werden. Briand aber, eben noch blutig und benommen am Boden, wollte unbedingt zurück ins Spiel und lief tatsächlich noch für ein paar Minuten aufs Feld, um seinen Turban zünftig durchzubluten, ein wenig Fußball zu spielen und eventuell den Schiri zu fragen, ob dies das WM-Finale sei. Der Mann hat größere Nehmerqualitäten als Sasha Grey. Kurz darauf wurde Briand dann aber doch ausgewechselt, wahrscheinlich weil in der Kabine ein dringender Anruf von Dieter Hoeneß wartete. Oder von Terry Butcher. Oder vom Roten Kreuz. Oder von Graf Dracula. Oder... ach, egal...

David Kinsombi
Briands Gegenspieler an diesem Tag war übrigens Bundesligadebütant David Kinsombi, den wir an dieser Stelle herzlich im Ligazirkus begrüßen wollen. Kinsombi legte ein Debüt ganz nach unserem Geschmack hin, ackerte wie ein in ein Frankfurt-Trikot gekleideter Traktor seine Seite hoch und runter und lieferte sich mit Briand Zweikämpfe, die aussahen, als würden zwei Abrissbirnen aufeinanderschlagen. Leider wurde Kinsombi nach einer knappen Stunde ausgewechselt, ansonsten hätte der Youngster seine Premiere eventuell stilsicher mit einer Gelb-Roten veredelt. Schade drum, wir freuen uns aber in jedem Falle auf mehr von Kinsombis stiernackig-gnadenloser Fußballarbeiterei.

Franco di Santo
Mit Bremens Franco di Santo ist es so eine Sache. Man ahnt irgendwie, dass der Mann eigentlich ein ziemlicher Bomber sein könnte, andererseits spielt er eben bei Bremen, und die dortige allgemeine Dümpelei der letzten Monate würde wohl in kürzester Zeit auch Cristiano Ronaldo in einen dickbäuchigen, kurzatmigen Bezirksliga-Libero verwandeln, der sich nach dem Spiel fettige Pommes und zwölf Weizen am Vereinsheim reinhaut. Wie dem auch sei, di Santo erfreute uns Traumtor-Aficionados am Samstag mit einem wundervollen Treffer, bei dem er den Ball so elegant ins Tor chippte, dass der Ball nun in Bremen Ballettunterricht gibt. Und wir haben uns angemeldet.

Felix Kroos
Di Santos Sahnebonbon von einem Tor war freilich erst möglich durch Felix Kroos’ Sensationspass, weswegen wir dem Bremer feierlich den »11FREUNDE-Uwe-Bein-Gedenk-Schnäuzer aus Wildschweinborsten« verleihen wollen. Dass der wundervolle Schnittstellenpass ausgerechnet von Kroos kam, überrascht ein wenig, schließlich hatte Kroos in seinen vorherigen 36 Bundesligaspielen noch keine einzige Torvorlage zustande gebracht. Zu können scheint er es indes, sein Traumpass auf di Santo war derart wundervoll, dass Kroos Eltern auf Partys nun immer zuerst von ihrem Sohn Felix erzählen, dann erst von dem anderen. Wie hieß er noch gleich…