Die 11 des Spieltags (1)

Der Neun-Sekunden-Mann

Karim Bellarabi schreibt Geschichte, Ja-Cheol Koo spielt den Partycrasher und Junior Malanda und Branimir Hrgota gründen spontan einen Frank-Mill-Fanklub. Hätte den mit verbundenen Augen gemacht: unsere 11 des Spieltags.

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Karim Bellarabi
Um sich ins Geschichtsbuch der Liga einzutragen, gibt es eine breite und bunte Auswahl an Möglichkeiten. Hundebisse, Schutzschwalben, Steuerhinterziehung, Koks, so Sachen eben. Man kann es aber auch wie Leverkusens Karim Bellarabi gegen Dortmund machen und einfach das schnellste Tor der Ligageschichte erzielen. Ganze neun Sekunden brauchte Bayers flügelflitzendes Lou-Bega-Double für seinen Führungstreffer, der Mann ist so schnell, wahrscheinlich kann er sich auch ein Drei-Minuten-Ei in nur zwei Minuten zubereiten. Mit seinem Blitztor hat sich Bellarabi nun also in den Liga-Geschichtsbüchern verewigt. Nach seinem Eintrag zum latinomachohaftesten Schnurrbart der Ligageschichte übrigens bereits zum zweiten Mal. Glückwunsch dazu.

Holger Badstuber
Wenn wir das Verletzungspech eines Holger Badstubers hätten, wir würden uns aus Angst vor neuen Verletzungen prophylaktisch alle Gliedmaßen amputieren und als Jabba-the-Hut-artige Blobs ein bewegungsarmes Leben auf der Couch führen. Was unserem gegenwärtigen Lebensstil eigentlich recht nahe kommt. Wie dem auch sei: Holger Badstuber zieht es vor, nach zwei aufeinanderfolgenden Kreuzbandrissen und 21 Monaten Pause einfach so mir nichts dir nichts wieder auf absolutem Top-Niveau zu kicken, als wäre Profifußball die einfachste Sache der Welt, unversehrte Kreuzbänder ein Luxus für Weicheier und zwei Jahre Reha in etwa so anstrengend wie ein Kururlaub auf Rügen. Da ziehen wir uns ehrfürchtig den Arthroskopie-Schlauch aus dem Knie. Chapeau!

Gianluca Gaudino
Ein bittersüßer Moment war das für uns Nostalgicos, als mit Gianluca Gaudino ein großer Bundesliganame in die Liga zurückkehrte. Der Spross von Neunzigerjahre-Mittelfeldass/Gebrauchtwagenhändler Maurizio Gaudino feierte gegen Wolfsburg sein Ligadebüt, was dazu führte, dass wir wehmütig unsere Goldkettchen und Brusthaartoupets streichelten, bei einem Glas Südmilch die Bundesliga-Classics-Staffeln von 1990 bis 1996 in einem Rutsch durchschauten und anschließend vor dem Spiegel traurig unser Nasenpflaster von der Nase nahmen um einzusehen, dass wir alt geworden sind. Schnüff. Nichtsdestotrotz freuen wir uns natürlich mit Gaudino Junior und wünschen ihm eine lange und ebenso erfolgreiche Karriere, wie sie bereits seinem Vater vergönnt war. Und sind aber gleichzeitig auch froh, dass nicht auch noch Mehmet Scholls Sohn Lucas ins Spiel gekommen ist, der auf der Bank saß, denn sonst wären wir wahrscheinlich an einer Überdosis Fußballromantik gestorben.

Arjen Robben
Kaum hat die Saison begonnen, schon wirbelt Bayerns Arjen Robben wieder, ganz so, als habe es gar keine Sommerpause gegeben und er befände sich immer bei der WM in Brasilien, beschäftigt damit, die Fußballnation Spanien zu demütigen. Alberto-Tomba-Soli auf Außen, der berühmt-berüchtigte Nach-Innen-Trick, mehr Speed als am Wochenende im Berghain, schönere Pässe als in den Alpen und nicht zuletzt natürlich der Siegtreffer – Arjen, du kannst aufhören, die WM ist vorbei, ihr seid raus.

Junior Malanda
Was Frank Mill in dem Moment machte, in dem Wolfsburgs Junior Malanda das sichere 2:2 neben das bayrische Tor stümperte, wissen wir nicht, aber wahrscheinlich saß er auf der heimischen Couch (bzw. daneben) und ärgerte sich, in dem Wissen, dass angesichts Malandas Fail nun auch wieder sein eigener legendärer Fehlschuss hervorgekramt werden würde. Wo wir dann ins Spiel kommen. Malanda hingegen muss man zu Gute halten, dass er a): noch jung ist und b): auch sehr viel Pech in jener Szene hatte, die ihn schon jetzt zu einer zentralen Figur aller nächstes Jahr erscheinender Saisonrückblicke machen wird. Bitter dann auch die anschließende Pressekonferenz, in der sich Malanda an der Tischkante k.o schlug, weil er den Ellbogen neben die Tischplatte setzte. Haste Scheiße am Schuh…

Branimir Hrgota
Was Branimir Hrgota in dem Moment machte, in dem Wolfsburgs Junior Malanda das sichere 2:2 neben das Tor stümperte, können wir uns hingegen denken: Mit ziemlicher Sicherheit machte sich Gladbachs Schwede Notizen, um das Kunststück einen Tag später fachgerecht zu wiederholen. So gesehen im sonntäglichen Spiel gegen Stuttgart. Ein Fehlschuss, nach dem Junior Malanda höchstwahrscheinlich kurz bei Frank Mill anrief, um mit ihm ein paar Witze darüber zu reißen. Hrgota selber blieb im gesamten Spiel relativ glücklos, eine weitere vergebene Großchance sowie ein Abseitstor finden sich im Arbeitsnachweis. Aber wenigstens ist im Saisonrückblick genug Platz.