Die 11 des Spieltags (1)

Kopfballungeheuer Beister

Zlatko Junuzovic
Ach, die Bremer. Es war schon unschön zu verfolgen, wie der SV Werder in der relativ kurzen Zeitspanne von ein paar Jahren von der zweiten Kraft im deutschen Fußball hin zu einem sinnkriselnden Abstiegskandidaten mutierte. Allofs weg, Schaaf weg, Erfolg weg, dafür Abstiegssorgen da. Als die Bremer vorige Woche gegen Drittligist Saarbrücken aus dem Pokal flogen und die neue Saison so schon mit einem deftigen Tiefpunkt einläuteten, schwante einem Böses. Bereits letzte Spielzeit war ja eine lange, anstrengende Aneinanderreihung von Tiefpunkten gewesen und die Bremer drohten, nahtlos daran anzuknüpfen. Gut, dass sich die Werderaner in Braunschweig irgendwann der guten alten Brechstange besannen und Sebastian Prödl die Kugel über das gesamte Spielfeld prödelte, damit Zlatko Junuzovic am anderen Ende des Rasens den Ball zum Sieg in die Maschen zimmern konnte. Nicht unbedingt schön, aber ein wichtiger, beruhigender Sieg. 

Maximilian Beister
Die »11FREUNDE-Kopfballpendel-Anstecknadel in Gold« geht diese Woche an Maxi Beister. Hamburgs Nachwuchshoffnung war bereits vorige Saison aus Düsseldorf gekommen und hatte sich in seiner ersten Saison eher dadurch bemerkbar gemacht, relativ unbemerkbar zu sein. Im ersten Spiel der zweiten Saison machte es Beister nun besser und wuchtete eine Flanke per Kopfball so derart schulmäßig in die Maschen, dass Horst Hrubesch wahrscheinlich jubelnd vom heimischen Sofa aufsprang und vor Freude die Deckenlampe in die Anrichte köpfte. Als Flanken wegnickendes Kopfballungeheuer ist Beister bisher noch nicht in Erscheinung getreten. Auch hat er nicht unbedingt die Statur dazu. Hinzu kommt, dass Schalkes Keeper Hildebrandt am Tor nicht eben unbeteiligt war. Und dennoch war das ein derart lehrbuchhafter Kopfball, dass wir mutmaßen, Beister habe seine Sommerpause am Kopfballpendel verbracht.

Nicolai Müller
Als Nicolai Müller nach der letzten Saison von Jogi Löw zur Nationalmannschaftsreise eingeladen wurde, war eigentlich allen klar, dass der Mainzer eher der Ersatz des Ersatzes ist und mitfahren darf, weil sowohl die Dortmunder als auch die Bayern ein Champions-League-Finale zu spielen hatten. Müller dürfte damit einer der Wenigen gewesen sein, die die Reise irgendwie sinnvoll fanden, auch wenn schnell spöttelnde Vergleiche zur legendären Mexiko-Reise gezogen wurden, bei der unter Erich Ribbeck so Weltfußballer wie Ingo Hertzsch und Ronny Maul debütieren durften. Wir ziehen reumütig unsere Sir-Erich-Silberlocken, denn Müller, das zeigten seine beiden Tore im Spiel gegen Stuttgart, ist vielleicht doch nicht einer jener Hertzschs oder Mauls, sondern könnte mit Leistungen wie der vom Sonntag tatsächlich irgendwann fester Bestandteil der Nationalelf sein. 

Klaas-Jan Huntelaar
Nach einer eher schwachen Saison hat Schalkes Klaas-Jan Huntelaar im Spiel gegen den HSV am Sonntag eindrucksvoll bewiesen, dass er nichts verlernt hat. Genau 84 Sekunden dauerte es, bis Huntelaar frei vor Keeper Adler auftauchte und kurzentschlossen die Führung erzielte. Später kam dann noch ein zweites Tor hinzu und auch wenn Schalkes Defensive das Spiel noch verdödelte und man nur 3:3 spielte, dürfte es für den »Hunter« eine gute Woche gewesen sein. Vater geworden, Doppelpack geschnürt, heute feiert er seinen 30. Geburtstag. Wenn jetzt auch noch Heimspiele, in denen man drei Tore macht, gewonnen werden, sind alle zufrieden. 

Sidney Sam
Dass Leverkusen durchaus ordentlich in die Saison startet, hat nicht nur damit zu tun, dass Stefan Kießling selbst einen Kopfball der Marke Kreisklasse irgendwie blind ins Netz lümmeln kann, sondern auch an der perfekt funktionierenden Flügelzange. Die besteht aus einem fitten Sidney Sam auf der einen Seite und dem Neuzugang...

Heung-Min Son
...auf der anderen Seite. Die beiden wirbelten derart durch die Reihen der Freiburger, dass man versucht ist zu sagen: Da haben sich zwei gefunden. Und weil wir Teil der überhitzten Medienmaschine sind, weil wir Schlagworte und Schlagzeilen brauchen, weil wir Dinge gerne labeln, weil wir »Brangelina« sagen und den »K&K-Sturm« erfinden, nutzen wir die Gunst der noch frühen Stunde und schlagen als Spitznamen des neuen Leverkusener Duo Infernales »Son of Sam« vor. Das ist zwar auch der Spitzname eines amerikanischen Serienmörders, passt aber trotzdem irgendwie gut. Denn dass die beiden eiskalt sind, wenn auch nur vor dem Tor, haben sie am Samstag bereits bewiesen. Und wenn sie so weitermachen, könnten sie diese Saison auch zu Serientätern werden.