Die 11 des 1. Spieltags

Was Costa die Welt?

Warum der HSV ein Gewinner des Spieltags ist, Salomon Kalou bisher gar nicht treffen konnte und Stefan Kießling Kinder zum Weinen bringt.

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Douglas Costa
Was Costa die Welt, fragte man sich diesen holden Sommer an der Säbener Straße, kramte in der Kleingeldschatulle des Klubvermögens und eiste für lächerliche 30 Millionen Euro Douglas Costa von Shakhtar Donezk los. Dass der bei den Ukrainern nicht einmal zu den Top-Stars zählte? Geschenkt. Und auch die Münchner Fans dachten sich ein pfundiges »Schau'n mer mal, dann seh'n wir schon«. Nur um nach Zaubervorstellungen in der Vorbereitung und nun am ersten Spieltag kaum noch zu wissen, wie man den Namen Ribéry schreibt. Aber was war das auch für eine Vorstellung gegen den HSV? Costa schlug Haken in den Rasen wie ein Rammler auf Speed, laserte Außenrist-Flanken auf Müllers Locken und kopierte mit seinem Tor zum 5:0 zu guter Letzt auch noch so perfekt Arjen Robben, dass der jetzt noch glaubt, das Tor tatsächlich selbst erzielt zu haben. 30 Millionen? Schnäppchen!

Marcel Heller
Schnell, Schneller, Heller. Heller von Sinnen. Heller Lichtblick in Darmstadt. Allein schon wegen seines Schlagzeilen-Namens gehört Marcel Heller eigentlich wöchentlich in die Elf des Spieltags. Aber der Mann, der auf 30 Metern mit Ball so schnell ist wie Usain Bolt bei seinem Weltrekordlauf ohne nicht, schiesst auch noch Traumbuden. Wie das 1:0 gegen Hannover 96. Zündet dabei im linken Mittelfeld den Raketenantrieb, als stünde am Ende seines Solos die direkte Qualifikation zur Champions League. Zieht dann, im Strafraum angekommen, mit der Eleganz eines Seniorentanztees nach innen. Um den Ball abschließend als Punktschweißung unter die Latte zu wemsen. Dass die Darmstädter trotz dieser Leistung keine drei Punkte eingefahren haben? Heller Wahnsinn.

Lukas Hinterseer
»So ein schöner Tag« hieß 2005 das erste Nummer-Eins-Album von Onkel Hansi Hinterseer. Viele weitere Schandtaten sollten folgen. Im vergangenen Jahr dann zog der Schlagerterrorist, vor dem der Yeti einst auf Lebensflucht ging, Bilanz: »60 Jahre, 40 Hits«, hieß der Anschlag auf die Ohren, der Hinterseers musikalisches Quälwerk bilanzierte. Mithin eine Bilanz, die Neffe Lukas Hinterseer zumindest für den Moment nur müde belächeln kann. Ein Bundesligaspiel und ein Bundesligator stehen bei ihm nun schließlich seit Samstag zu Buche. Erzielt auf eine sehr österreichische Art. Ein perfekt ausgeführter Standardtanz mit dem Mainzer Innenverteidiger Bungert, ein trockener Abschluss und schon gab es drei Punkte und einen goldenen Fangesang der Ingolstädter Anhänger. Oder um es mit Onkel Hansis aktuellem Werk zu sagen: »Gefühle«.

Stefan Kießling
Streber Stefan Kießling hat sich die Nominierung in die »11 des Spieltags« gleich mehrfach verdient: 1.) Kießling trifft gegen Hoffenheim auch mit intaktem Tornetz.  2.) Er hat nun im vierten Jahr in Folge am ersten Spieltag der Saison getroffen. Rekord! 3.) Kießling geht mit seinen inzwischen 31 Jahren in seine gefühlt 31. Bundesliga-Saison. 4.) Kießling hat ein Kind zum Weinen gebracht. Was ausnahmsweise etwas Gutes ist, denn das Balg hat sich einfach ganz doll über Kießlings Trikot gefreut. Oder aber es hat vernommen, wie Kießling und Gattin ihre Kinder genannt haben: Hailey-Milu und Tayler-Joel. 

Anthony Modeste
Es sind große Fußstapfen, in die Anthony Modeste in Köln zu treten hat. Sein Vorgänger als Abteilungsleiter Attacke, Namensvetter Anthony Ujah, war schließlich nicht nur Torschütze vom Dienst, sondern auch Fan-Liebling und Maskottchen-Schmeichler. Doch drei Tore im Pokal, sowie Tor und Vorlage am ersten Bundesligaspieltag sind ja bekanntlich nicht das schlechteste Arbeitszeugnis für einen Stürmer. Wer dann noch wie Modeste zum ausgefallenen Jubel à la Schnulleralarm greift, ist in der jecken Domstadt in der Regel auf direktem Weg zum Karnevalsprinzen; dem kölschen Ritterschlag der Fanliebe. Nur mit Maskottchen »Geißbock Hennes« muss Modeste wohl erst noch warm werden. Bei der Saisoneröffnung hatte der die Vorstellung des neuen Stürmers genutzt, sich direkt auf der Bühne mit der kompletten Entleerung von Darm und Blase zu empfehlen — Modeste war sichtlich irritiert. Nur gut, dass die ersten beiden Saisonspiele des »Eff-Zeh« auswärts über die Bühne gingen; weit weg von Hennes VIII.

Joel Matip
Das Eigentor durch Gebre Selassie erzwungen, das »Deckel drauf«-2:0 von Choupo-Moting mit einem Kanonenschlag von Steckpass vorbereitet und hinten so dicht wie eine Zeche kurz nach der Schließung — wenn nach dem Spiel in Bremen ein Schalker allen Grund dazu hatte, sich ob der eigenen Leistung königsblau zu picheln, dann wohl Joel Matip. Der Mann, dessen Körperschwerpunkt ob seiner zeitweisen Schlaksigkeit auf Höhe Adamsapfel zu liegen scheint, spielte am Wochenende das, was man ihm seit Jahren unterstellt: die Rolle des umsichtigen Abwehrchefs. Und gab obendrein noch den Spielmacher, der Kevin-Prince Boateng so gern sein würde. Also, liebe Tätowierer rund um Gelsenkirchen: Legt die Kevin-Schablone zur Seite, es kommt eine Ladung »Joel« auf euch zu!