Die 11 der Saison

Sag zum Abschied leise »Ey, was guckst du!«

Xabi Alonso
Jagutäh, die weninteressiertdaseigentlichnochste Meisterschaft der Bayern darf in der 11 der Saison freilich nicht fehlen. Stellvertretend für den gesamten Kader der Überbayern steht an dieser Stelle Xabi Alonso, der im Rentenalter noch einmal den Sprung ins Ausland wagte, nur um allen anderen Bundesligaspielern zu beweisen, dass er ihnen in Sachen Bartmode und Spielintelligenz um Lichtjahre voraus ist. Vor allem in der Hinrunde glänzte Alonso, gegen Ende der Rückrunde machte sich dann doch das Alter bemerkbar. Trotzdem: In seinen besten Momenten ist der Spanier so gut, man könnte ihn mit Blaumann und Gummistiefeln aufs Feld schicken, er wäre immer noch der eleganteste Spieler auf dem Platz.

Claudio Pizarro
Bisschen kicken, gute Laune, Kohle und Titel ohne Ende: In den letzten Jahren hat Claudio Pizarro unseren Traum gelebt. Nun beendet Münchens dauerfröhlicher Superperuaner wohl seine Karriere. Der Liga geht damit ihr letzter Hobbykicker verloren, was uns traurig an unseren viel zu engen Thekentruppentrikots nesteln lässt. Immerhin ein kleiner Trost: Pizarro bleibt im Verein erhalten und soll die nur wegen ihm gegründete Beachsoccer-Abteilung des FC Bayern zu Glanz und Gloria führen.
   
Emir Spahic
Fun Fact: In Bosnien sind Chuck-Norris-Sprüche verboten, weil sonst Emir Spahic kommt und dir auf die Fresse haut. Der Liga geht Leverkusens Abwehrkante mit der Aura eines Mafia-Hitmans nun leider verloren, weil er, jagutäh, mit ein paar Kumpels stilsicher eine Schlägerei mit ein paar Leverkusener Stadionordnern angezettelt hat. Und auch wenn die Chance, dass wir ihn in den illegalen Underground-Bareknuckle-Arenen des Rheinlandes wiedertreffen, gar nicht so gering ist: In der Bundesliga werden wir Leverkusens Ex-Verteidiger wahrlich vermissen. Wir ziehen also voller Ehrfurcht unsere blutigen Turbane, geben uns gegenseitig ein paar Kopfnüsse und sagen zum Abschied leise »Ey, was guckst du!«. Mach’s gut, Emir.

Jürgen Klopp
Und wo wir gerade bei den ganz großen Emotionen sind: Jürgen Klopp wird uns ebenso fehlen. Nach sieben höchst erfolgreichen Jahren, in denen er den BVB auf eine Art und Weise sanierte, die ihm nun ein Jobangebot der griechischen Regierung einbrachte, ist für Kloppo Schluss in Dortmund. Noch ist unbekannt, wohin es ihn zieht, aber höchstwahrscheinlich geht es nach England, wo ein Emotioni und Sprüchedrücker wie Klopp sicherlich gut hinpasst und von den Fans ebenso vergöttert werden wird wie in Dortmund. Ob er Roman Weidenfeller als Sprachlehrer mitnimmt, ist übrigens noch nicht entschieden.

Lucien Favre
Was Lucien Favre in Mönchengladbach auf die Beine gestellt hat, ist wirklich erstaunlich. Innerhalb von nur vier Jahren hat der Schweizer aus einem rumpelfußballigen Abstiegskandidaten eine spektakuläre Spitzenmannschaft geformt. Man könnte den Mann zu den Geissens schicken, nach wenigen Wochen würden sie kniggesicher am Esstisch sitzen, einen guten Rotwein trinken und über Descartes diskutieren, ohne sich dabei ins Wort zu fallen. Nun darf Favre nächstes Jahr mit seinem Team durch Europa tingeln und tatsächlich Champions League spielen. Wenn der Mann sich nicht selbst gerade schon ein Denkmal in Gladbach gesetzt hätte, man sollte umgehend damit anfangen.

Christoph Kramer
Was Sebastian Kehl wohl dem bedauernswerten Christoph Kramer nach dessen 40-Meter-Eigentor ins Ohr geflüstert hat? Vielleicht: »Hier, Junge, das ist die Nummer von Helmut Winklhofer, der will mit dir reden«. Worauf Kramer wahrscheinlich antwortete: »Ist das hier wirklich das WM-Finale?« Woraufhin wir uns einschalten wollen: »Nein, lieber Christoph Kramer, das hier ist die Szene, auf die du den Rest deines Lebens angesprochen werden wirst.«