Die 11 der Saison

Das Phantomtor des Jahres

Stefan Kießling
Das Tor des Jahres schoss indes nicht Sahnefuß Reus oder Trikotgrößen-Legastheniker Robben, sondern Leverkusens Stefan Kießling. Mit seinem Phantomtor gegen Hoffenheim sorgte er für die Szene der Saison, eine Situation, skurriler als ein Gespräch zwischen Nina Hagen und Dr. Axel Stoll über Aliens. Der Ball flog von Kießlings Kopf ans Außennetz und durch ein Loch ins Tor, im anschließenden Jubel seiner Mitspieler nahm ein sichtlich verwirrter Kießling den Treffer mit und wirkte dabei ähnlich verschmitzt wie ein Klosterschüler, der gerade ein verbotenes Wort gesagt hatte. Prinzipiell ist Kießling einer von den Guten und der folgende Shitstorm war sicherlich nicht gerechtfertigt, auch wenn die Aktion in ihrer Gänze ähnlich sauber war wie der Küchenboden der Ludolfs. Aber über seine Aktion und Reaktion kann Kießling ja während des Sommers nochmal nachdenken. Zeit hat er ja. 

Bernd Leno
Warum anstelle von Bernd Leno Ron-Robert Zieler mit zur WM fahren darf, ist wahrscheinlich das größte deutsche Mysterium seit der Barschel-Affäre. Um die erschreckenden Hintergründe aufzudecken, haben wir eigens eine 11FREUNDE-Investigativ-Taskforce gegründet, mit den ersten Recherche-Ergebnissen wird gerechnet, sobald die Kollegen damit fertig sind, den PC-Bildschrim anzuschreien und der »Google«-Website frustriert und überfordert Schläge anzudrohen. Bis dahin weisen wir an dieser Stelle darauf hin, dass Bernd Leno in dieser Saison vom Nachwuchskeeper zum Klassemann von internationalem Format reifte, der neben seinen unzähligen Glanzparaden auch noch so viele Elfer hielt, dass ihn »Ravensburger« zum Markenbotschafter für »Elfer Raus« machen möchte.   

Roberto Hilbert
Was Roberto Hilbert nächste Saison ursprünglich an den Abenden unter der Woche vorhatte, wissen wir nicht. Vielleicht ist ja Mittwochs immer Sitzung im Schnauzbart-Verein Leverkusen-Nord, vielleicht wollte er auch schlicht nicht auf den dienstäglichen Bud Spencer/Terrence Hill-Marathon auf »Kabel 1« verzichten. Was wir ihm absolut nicht verdenken könnten. In jedem Falle setzte Hilbert in dieser Saison alles daran, die Champions-League-Teilnahme seiner Leverkusener so gut es geht zu sabotieren und verursachte in 16 Spielen sagenhafte fünf Elfmeter - eine Quote, die er höchstens dann noch überbieten könnte, wenn er Stolperdraht um den Leverkusener Fünfmeterraum ziehen oder Tellerminen im Sechzehner auslegen würde. Geholfen hat es indes nichts, Hilbert muss nächste Saison wohl doch Champions League spielen. So ein Ärger. 

Karim Bellarabi
Nun, besonders glücklich ist das Bundesliga-Abenteuer für die Braunschweiger nicht ausgegangen, von 34 Spieltagen stand man gefühlte 35 auf dem letzten Platz. Was aber bleibt ist die wunderbare Achtzigerfußball-Reminiszenz, die uns der BTSV mit seiner erdig-hemdsärmelig-schnauzbarthaften Art 34 Spieltage lang bot. Für uns Traditionis ein willkommener Anlass, um endlich mal wieder das heißgeliebte Sportreporter-Glossar aus dem Schrank zu holen und so angestaubte wie wunderschöne Begriffe wie »Tartanbahn«, »Ballonseide«, »Terrier« und »Wadenbeißer« rollenden Rs in die Redaktionsräume zu rubenbauern. Darüber hinaus bleibt vor allem auch der 3:0-Derbysieg gegen Hannover, für den sich unter anderem Karim Bellarabi verantwortlich zeigte, der das dritte Tor mit einem Tänzchen vorbereitete, das so wunderschön war, dass in der Folgewoche im Braunschweiger Umland die Tanzkurs-Anmeldungen sprunghaft in die Höhe schnellten. 

André Hahn
Die Überraschung der Saison sind wohl, neben den Hamburgern, unsere Freunde aus Augsburg. Ein beschauliches, ländliches Fußballidyll, in dem die Punkte gemeinschaftlich ermöldert werden und sich niemals jemand über das Kollektiv erheben würde. Wobei André Hahn dazu allen Grund hätte, denn Hahn spielte eine herausragende Saison, die er mit 12 Toren, neun Vorlagen und einer eventuellen Teilnahme an der WM in Brasilien krönte. Insbesondere seine Schnelligkeit ist wirklich bewundernswert. In manchen Partien war Hahn so schnell, dass »Sky« die Interviews nach dem Spiel in Zeitlupe abspielte, weil Hahn sonst nicht zu verstehen gewesen wäre. Nach dem Sommer wechselt Augsburgs Kreuzung aus Speedy Gonzales und Usain Bolt übrigens nach Gladbach. Den Umzug soll Hahn schon erledigt haben. Per Vollsprint in knapp unter einer halben Stunde.   

Gertjan Verbeek
Dass Gertjan Verbeek nicht mehr in der Bundesliga tätig ist, stimmt uns traurig, denn mit seiner nonchalanten Mirdochegal-Frisur und seinen charmanten Wutausbrüchen bot uns der uneheliche Sohn von Gary Busey und Kris Kristofferson angenehm viele Anknüpfungspunkte. Für einen emotionalen Höhepunkt im Abstiegskampf sorgte seine Auseinandersetzung mit Freiburgs Trainer Christian Streich, vielleicht die beste Fehde seit jener von Hulk Hogan und Yokozuna. Nur dass Verbeek und Streich die ihre, sehr zu unserem Bedauern, nicht mit Piledrivern, Banzai Drops und Powerbombs beilegten, sondern gar nicht, und wir also weiterhin vergeblich auf die längst überfällige Kreuzung von Fußball und Wrestling warten. Lieber DFB, liebe WWE - übernehmen Sie.