DFL-Chef Reinhard Rauball rüffelt Polizei-Chef Rainer Wendt

Fußball ist kein Kinderspielplatz

Schalkes Vorstandsmitglied Peter Peters veröffentlichte noch in der Nacht eine Stellungnahme, in der er darauf hinwies, dass der Polizeieinsatz vom Verein nicht abgesegnet worden war und man das Vorgehen für überzogen halte.
 
Das wiederum brachte Wendt auf die Palme: »Zum Glück werden Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit von Polizeieinsätzen nicht von Fußballfunktionären beurteilt.« Diese würden nämlich auf den Tribünen sitzen und Canapés essen, »während unsere Leute zwischen den Blöcken stehen und sich ihrer Haut erwehren müssen«. Da die Schalker Funktionäre »gar keine Ahnung« hätten, sollten sie »öffentlich erst mal den Mund halten«. Am Ende noch: Man sei nicht auf dem Kinderspielplatz, sondern im Fußballstadion.

Nachrichten aus Afghanistan?
 
Sätze, die man täglich andernorts hört. Allerdings unter dem Titel: Nachrichten aus Afghanistan. Oder aus Ägypten. Ein echter Wendt eben. Und wenn dieser echte Wendt nicht so erschreckend wäre, könnte man sich gar ein wenig über seine Militär-Rhetorik amüsieren. Oder sie einfach totschweigen.
 
Nur: Das ist vermutlich das falscheste, was man machen kann. So jedenfalls verhielt sich die Liga viele Jahre, kleinlaut und devot. Erst im Sommer 2012 wurden erstmals Stimmen laut, die Rainer Wendt ein wenig Zurückhaltung empfahlen. Mainz-05-Präsident Harald Strutz bezeichnete damals Wendts ständige Einmischungen in die Causa Stehplätze als »anmaßend«.

Rauballs Gegenstimme
 
Nun hat sich erneut jemand gemeldet, und dieses Mal ist es Reinhard Rauball, der Chef der Deutschen Fußball-Liga. Er sagte nach Wendts Ausbruch: »Der Profi-Fußball lässt sich weder durch Polizei-Lobbyisten noch durch Politiker-Schelte vom Weg des Dialogs abbringen.«
 
Ein Satz, der ebenfalls einige Male andernorts gesagt wurde, und manch einer wird Rauball vorwerfen, dass auch seine Äußerung ein Versuch ist, in der PR-Schlacht die Oberhand zu behalten. Doch wenn man diese Skepsis abzieht und die bloße Aussage stehenlässt, kann man festhalten, dass sie der Liga in ihrer Deutlichkeit und zum jetzigen Zeitpunkt gut zu Gesicht steht. Es ist eine Aussage, an der man sie messen kann.