Deutschlands erster Fußballheiliger

»Die Düsseldorfer Karlo Partei«

Damit schrieb Werner Bundesligageschichte, denn er war tatsächlich der erste Spieler, der von den Fans in den Götzenstand eines »Fußballgotts« erhoben wurde. (Ja, Jürgen Kohler und viele andere bekamen den ehrenvollen Titel erst nach Werner zuerkannt.) Das war eine typisch rheinische Mischung aus Unterstützung, Überhöhung und Selbstironie, bei der Toni Turek, der einzige Fortuna-Weltmeister und Fußballgott beim Wunder von Bern, natürlich Pate stand. Im Rheinstadion riefen sie »Karlo Werner Fußballgott« selbst dann, wenn er gar nicht mitspielte, was aber höchst selten vorkam. Denn Werner fehlte fast nie, als das beinahe unveränderte Team binnen zwei Jahren von der dritten in die erste Liga durchmarschierte. Dabei spielte er ganz selten schlecht, allerdings genauso selten gut.

Werner selbst war zunächst irritiert von der ganzen Liebe, die da über ihn ausgeschüttet wurde. Die Fans aus den Stehblöcken 36 bis 39 priesen ihn nämlich nicht nur kollektiv Fußballgott, sie gründeten auch eine Spaßpartei. Die Düsseldorfer Karlo Partei (auf dem Wahlzettel kurz: DKP), deren Hauptforderung die Errichtung einer Werner-Statue auf dem Campus war, zog Mitte der Neunziger sogar ins Studentenparlament der lokalen Heinrich-Heine-Universität ein. Die unmittelbare Folge: Werner musste in dieser Zeit ständig die Frage beantworten, ob er irgendetwas mit dieser Partei zu tun hätte. Seine Standardantwort: »Ich weiß von dieser Sache, aber ich studiere leider nicht.« Nach dem Ende der Karriere als Fußballgott kehrte Werner in seine fränkische Heimat zurück, wo er als Kaufmännischer Angestellter arbeitet und nebenher die A-Jugend in seinem Dorf trainiert.