Das volle Programm zur WM in Russland
Dieses Special wird präsentiert von: 
vodafone

Deutschland vor dem wichtigsten Spiel seit Jahren

Das erste Finale

Unter Bundestrainer Joachim Löw hat das Nationalteam noch nie so unter Druck gestanden wie jetzt gegen Schweden. Die Spieler wissen um die Bedeutung – und wirken siegessicher.

imago

Luftlinie dürften es nicht mehr als 1000 Meter sein, die Bett und Battlefield trennen. Wenn die deutschen Spieler aus den Fenstern ihres Mannschaftshotels in Sotschi schauen, sehen sie das Schwarze Meer glitzern. Und wenn sie dann ihren Blick etwas nach rechts schwenken, sehen sie den Ort des Geschehens, der so oder so einen Platz in der deutschen Fußballhistorie erhalten wird. Am Samstagabend wird hier um 21 Uhr Ortszeit das Gruppenspiel gegen Schweden angepfiffen. Für die deutsche Nationalmannschaft ist das schon ein Finale. Verliert die Mannschaft von Joachim Löw, wäre nicht nur der Titelverteidiger, der Weltmeister von 2014, gescheitert, sondern auch der Bundestrainer. Eine solche Zuspitzung gab es noch nie in der Ära Löw.

Das Olympiastadion der Winterspiele von 2014, das heute Fischt-Stadion heißt und knapp 50000 Zuschauern Platz bietet, sieht mit seinen beiden Dachhälften von Weitem ein bisschen wie eine angerichtete Backkartoffel aus. In den Abendstunden ist sie immer recht bunt beleuchtet, die deutschen Spieler können die Arena so gar nicht übersehen haben.

»ich denke mal, es wird kein Hurraspiel.«

Dass es für die Deutschen so früh schon um alles geht, hält Teammanager Oliver Bierhoff für »ärgerlich«, weil es schon so früh im Turnierverlauf passiert und »selbstverschuldet« sei. Die erschreckend schwache Leistung gegen Mexiko, bei dem die deutsche Mannschaft so vieles hat vermissen lassen, hat den Weltmeister in diese ungemütliche Lage versetzt. »Klar, jetzt müssen wir gewinnen«, sagte Bierhoff, »ich denke mal, es wird kein Hurraspiel.« Natürlich hat die Mannschaft von Joachim Löw noch alles selbst in der Hand, sie kann mit Siegen über Schweden und im dritten Gruppenspiel über Südkorea noch aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen und den Gau verhindern. Doch über allem schwebt auch die Angst vor einem Versagen. Das spricht so deutlich keiner aus, aber es ist zu fühlen. Bierhoff sagte nüchtern: »Wenn wir ausscheiden würden, wäre das ein Misserfolg.«

Seit Dienstag logiert der Weltmeister in Sotschi, genauer gesagt, im Ortsteil Adler. Vor einem Jahr hat hier eine von den Weltmeistern weitgehend befreite deutsche Mannschaft das Halbfinale des Confed-Cup gegen Mexiko gewonnen. Die Nachwuchsmannschaft holte am Ende sogar den Pokal, und ihr Kapitän Julian Draxler wurde zum besten Spieler des Turniers gekürt. »Vielleicht ist es ein Vorteil, dass einige von uns das Stadion kennen und damit gute Erinnerungen verbinden«, sagt Timo Werner, der vor einem Jahr Torschützenkönig wurde, und der sich jetzt mit Mario Gomez um den Stürmerstartplatz duelliertI