Deutschland-Niederlande abgesagt

»Ernsthafte Planungen, etwas zur Explosion zu bringen«

Das Spiel zwischen Deutschland und Holland in Hannover wurde gut eine Stunde vor Anpfiff abgesagt. Es soll konkrete Hinweise auf einen Anschlag gegeben haben. Ein Überblick.

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Das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover ist abgesagt. Das bestätigte die Polizei Hannover dem Sport-Informations-Dienst (SID) um 19.20 Uhr, knapp anderthalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff.

»Das Spiel ist abgesagt. Die Zuschauer werden gerade gebeten, das Stadion zügig, aber ohne Panik zu verlassen«, sagte eine Polizeisprecherin.

Hinweise auf einen Sprengstoffanschlag

SPIEGEL ONLINE und andere Medien berichteten am Abend, dass am Stadion ein Gefährder gesichtet wurde. Daraufhin habe der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius die Notbremse gezogen. Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok sagte dem SID: »Sicherheit geht immer vor. Es ist eine Befürchtung, die man immer hat. Ich vertraue der Polizei, dass sie hier die richtige Entscheidung getroffen hat. Wenn eine Gefährdungslage vorliegt, dann müssen solche Schritte eingeleitet werden.«

Polizeispräsident Volker Kluwe sagte bei »Hallo Niedersachsen«, dass es »ernsthafte Planungen« gab, »etwas zur Explosion zu bringen«. In der »Tagesschau« wiederholte er seine Befürchtungen, dass es Hinweise auf einen Sprengstoffanschlag gegeben habe. Die Hinweise hätten sich »konkret auf das Stadion« bezogen.

Der NDR berichtete danach in seinem Liveblog, dass die Fans »geordnet und ohne Panik das Stadion verlassen haben«. Innerhalb kürzester Zeit sei der Platz vor der Arena so gut wie leer gewesen. Die Mannschaften sollen gar nicht erst ins Stadion gekommen sein. DFB-Pressesprecher Jens Gritner twitterte um 20:02 Uhr: »Sind auf dem Weg ins Stadion v. d. Polizei umgeleitet worden u. an sicherem Ort. Mehr können wir derzeit nicht sagen, Bitte u. Verständnis.«

Thomas de Maizière bittet um Vertrauensvorschuss

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von einem geplanten Anschlag mit islamistischem Hintergund: »Es habe entsprechende Hinweise auf einen Anschlag gegeben, der von islamistischen Gefährdern geplant gewesen sei«, erfuhr die dpa am Abend aus Sicherheitkreisen. Die Hinweise sollen von einem ausländischen Geheimdienst gekommen sein. Ab 20.30 Uhr sperrten bewaffnete Polizisten das Stadion weiträumig ab. Auch Spezialeinsatzkommandos fuhren vor.

Auf einer Pressekonferenz gegen 21.30 Uhr sagte der kommissarische DFB-Chef Reinhard Rauball, dass sich die Mannschaften fünf Kilometer vor dem Stadion befunden hätten, als sie die Nachricht über die Absage erhielten. Sie seien danach an einen »sicheren Ort gebracht« worden, so Rauball.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière verteidigte auf der Pressekonferenz die Spielabsage. Er erklärte, dass er und die Sicherheitsbehörden diesen Schritt dringend empfohlen hätten. Woher die Hinweise auf einen Sprengstoffanschlag kamen und wie groß die Gefahr tatsächlich war, wollte er sich allerdings nicht sagen. Er bat die Öffentlichkeit »um einen Vertrauensvorschuss«.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius erklärte auf der Pressekonferenz indes, dass bislang kein Sprengstoff gefunden wurde. Auch Festnahmen hätte es nicht gegeben.

Verdächtiger Gegenstand

Schon am frühen Abend hatte die Polizei wegen des Fundes eines verdächtigen Gegenstandes bereits einen Bereich vor dem Stadion abgesperrt. Nach eingehender Kontrolle wurde allerdings Entwarnung gegeben.

Vier Tage nach den Terrorangriffen in Paris galt für die Begegnung gegen den WM-Dritten aus den Niederlanden in Hannover die höchste Sicherheitsstufe. Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere hochrangige Politiker hatten ihr Kommen angekündigt.