Deutschland braucht das Financial Fairplay

Mal eben den Transferrekord gebrochen

Abseits sämtlicher Traditions-Diskussionen, die sich um Klubs wie RB Leipzig und die TSG Hoffenheim sowieso immer wieder entzünden, ist das eigentliche Problem, dass einige Vereine von einem wirtschaftlichen Kreislauf abgekoppelt sind, an den alle anderen fest gebunden sind. Für einen Klub wie den 1. FC Kaiserslautern muss es der reinste Hohn sein, wenn ein Konkurrent im Aufstiegskampf mal eben den Transferrekord der Zweiten Liga brechen kann. Hoffenheim gibt seit Jahren immer wieder Ablösen im mittleren einstelligen Millionenbereich aus, aller Beteuerungen, man wolle sich alsbald aus dem laufenden Geschäft finanzieren, zum Trotz.


Für Vereine, die sich tabellarisch mit der TSG auf Augenhöhe bewegen, wäre der Transfer eines Maicosuels, Zuculinis oder Wellingtons kaum darstellbar. Vor allem aber wäre er ein großes Risiko. Funktioniert der Spieler nicht, ist das Geld ohne Gegenwert weg. In Sinsheim kein großes Problem. Der fünfte 19-jährige Brasilianer ist dann eben ein Firmino, der mit großem Gewinn weiterverkauft werden kann. Aber an diesen Punkt können andere Klubs gar nicht gelangen. Denn was, wenn es doch wieder ein Maicosuel ist?

»Dann darf der Herr Mateschitz maximal 15 Millionen pro Jahr investieren«



Ähnliches gilt für Selke in Leipzig. Ob der 20-Jährige tatsächlich durchstartet, kann niemand sicher sagen, wenn nicht, ist es für RB finanziell kein Beinbruch. Man kann den Leipzigern, an denen sich die Diskussion aktuell aufhängt, dabei nicht mal einen Vorwurf machen, schließlich tun sie nichts Verbotenes. Dringlich bleibt das Thema aber dennoch, immer mehr Traditionsvereine überlegen, sich Investoren zu öffnen, um finanziell nicht den Anschluss zu verlieren. Aber erodiert das nicht die Liga?

Bereits im Vorjahr wusste Karl-Heinz Rummenigge, wie der Situation um RB zu begegnen sei: Die Diskussion könne beendet werden, »wenn man Financial Fairplay als Lizenzierung bitte auch in der Bundesliga einführt. Dann darf der Herr Mateschitz maximal 15 Millionen pro Jahr investieren«. Und eben nicht eine Unsumme raushauen, die andere Vereine selbst durch professionellstes Wirtschaften niemals realisiert bekommen.

Es ist genau dieser Unterschied zwischen den Klubs, der den Wettbewerb untergräbt: Vereine, die nur das Geld zur Verfügung haben, das sie aus dem Wettbewerb generieren, stehen in Konkurrenz zu Klubs, die auf unerschöpfliche Finanzreserven zurückgreifen können. Aber ist das dann noch ein tatsächlicher Wettbewerb? Nach Rummenigges Vorstoß meldeten sich weitere Vereinsvertreter zu Wort, etwa Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers oder Freiburgs Präsident Fritz Keller, die ein nationales FFP als Bestandteil des DFL-Lizensierungsverfahrens forderten, um so wenigstens ein Mindestmaß an Chancengleichheit wiederherzustellen. Dietmar Hopp steht mit seiner Forderung also nicht alleine da.