Deutschland braucht das Financial Fairplay

Schafft gleiche Waffen!

RB, VW und Co beweisen: Im deutschen Fußball gelten längst nicht mehr für alle die gleichen Regeln. Zeit, dass die DFL dem entgegentritt.

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Wenn sich selbst Dietmar Hopp bejahend zum Financial Fairplay äußert, scheint das Thema dringlich zu sein. Er fände es »konsequent und richtig«, sagte Hoffenheims Mäzen im Interview mit der »Welt am Sonntag« im Februar, das Financial Fairplay auch auf nationaler Ebene einzuführen. Mit Sorge warf Hopp einen Blick ins Ausland, zu »Klubs, bei denen ein Scheich die Schatulle aufmacht und es keinen realen Gegenwert zum Investment gibt«. Dort könne nur das Financial Fairplay helfen.

Nun beinhaltet der Hoppsche Vorstoß natürlich eine amüsante Rückkopplung, schließlich gäbe es es seinen Klub in der heutigen Form nicht, wenn ein nationales FFP bereits in Kraft gewesen wäre, als Hopp den Entschluss fasste, bei seinem Heimatverein die Schatulle zu öffnen. Darüber kann man schmunzeln, sein Vorstoß bleibt dennoch richtig. Denn im deutschen Fußball gelten nicht für alle die gleichen Regeln, und das untergräbt den Wettbewerb.

Die Regeln und Sanktionen greifen nur international



Simpel formuliert bedeutet das Financial Fairplay, dass ein Verein nicht mehr ausgeben als einnehmen darf und ein Defizit nur zu einem gewissen Teil von einem Sponsor oder Mäzen ausgeglichen werden darf. International ist die Regel bereits in Kraft, von der Uefa belangt wurden unter anderem der FC Malaga, der 2013 vom internationalen Wettbewerb ausgeschlossen wurde, sowie die Scheich-Klubs Paris St. Germain und Manchester City, die 2014 hohe Geldstrafen zahlen mussten (die sie zu zwei Dritteln zurückbekommen, wenn sie die Richtlinien einhalten). Doch genau hier liegt das Problem: Die Regeln und Sanktionen greifen eben nur auf internationaler Ebene.

Und auf nationaler? Beim aufstrebenden Leipziger Red-Bull-Klub spielt Geld, wie der Transfer von Bremens Davie Selke vorige Woche erneut bewies, keinerlei Rolle. Ebenso bei VW in Wolfsburg, die im Winter mal eben 32 Millionen Euro für André Schürrle lockermachten, ohne dass der Verein einen solchen Transfer auch nur ansatzweise aus seinen laufenden Einnahmen finanzieren könnte. Oder bei der TSG Hoffenheim, deren Mäzen dem Klub 150 Millionen Euro aufs Festgeldkonto überwies (von denen durch die konstant roten Zahlen nur noch knapp 100 Millionen übrig sind). Ähnlich problematisch ist die Lage beim Hamburger SV, der sich auf bedenkliche Art von Gönner Klaus-Michael Kühne abhängig gemacht hat, oder bei 1860 München, wo Hassan Ismaik seit Jahren Löcher stopfen muss, die der Klub alleine niemals stopfen könnte.