Der Weg eines Deutschen durch den MLS SuperDraft

»Ich wollte erstmal meinen Abschluss, alles andere war Bonus.«

Sein Vater, Alexander Löbe, konnte vom Fußball leben. Der stürmte mit auffallend langer Mähne von den frühen Neunzigern bis in die späten Nullerjahre. Unter anderem in der Bundesliga für Wattenscheid und Duisburg. Es schien, als würde der Sohn nie das Level des Vaters erreichen. Zuletzt spielte János beim Wuppertaler SV, wo er zwischenzeitlich immerhin in der A-Jugend-Bundesliga eingesetzt wurde.

Im Alter von 20 Jahren entschied er sich dann für den Schritt in die USA, wie sein Bruder Jannik es schon ein Jahr zuvor gemacht hatte. Er wählte dasselbe College wie sein Bruder, die Fordham University gleich neben dem Botanischen Garten im Zentrum New Yorks, Studiengang »Business administration« mit Sportlerstipendium. »Die Uni hat einen sehr guten akademischen Ruf, im Fußball ist ihr Ruf eher mittelgut, aber auf dem Niveau konnte ich schneller Verantwortung im Team übernehmen«, sagt János.

Als János vor dreieinhalb Jahren in die USA ging, war der Gedanke an den Profifußball kein großes Thema. »Ich wollte erstmal meinen Abschluss in der Tasche haben, alles darüber hinaus war Bonus.« Sein Studium bereitete ihn auf eine Karriere im Marketing-Geschäft vor, Informatikfertigkeiten standen im Vordergrund.

Tagsüber schuften, abends Nachbesprechung mit Zimmerkollegen

Zweitbester Vorlagengeber in der Geschichte des Colleges, der Award als »Rookie« der Saison seiner College Liga, Kapitän des Fordham-Teams. Stolz zählt die Website seiner Universität die Auszeichnungen von János auf. Oben drauf folgte die Einladung zum MLS Combine, kurz nachdem er seinen Abschluss gemacht hatte.

János ist nicht der einzige Deutsche, der zum Vorspielen nach Orlando eingeladen wurde – vier sind es insgesamt. Mit einem von ihnen, Torwart und Ex-Hertha-Jugendspieler Benjamin Lundt, teilt er sich das Zimmer in der Combine-Woche. Abends sitzen beide zusammen, diskutieren über ihre Tagesform, über zu ehrgeizige Teamkollegen, die nicht abspielen wollen. Sie versuchen, sich gegenseitig den Leistungsdruck zu nehmen. Das gewohnte College-Level – vergleichbar mit dem Niveau in der vierten deutschen Liga – wird in Orlando deutlich übertroffen. »Man merkt einfach, dass hier die besten Jugendspieler aus zwei Ländern zusammenkommen, aber das war mir von Anfang an klar,« sagt János.