Der Weg eines Deutschen durch den MLS SuperDraft

János und der Traum von Amerika

Als János Löbe in die USA ging, dachte er hauptsächlich an sein Studium. Dann kam die Einladung von der Major League Soccer. Ihm bleibt eine Woche Zeit, um zu beweisen, dass er bereit ist, Profifußballer zu werden.

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Dallas, Atlanta, Los Angeles. János Löbe könnte überall landen, es liegt nur nicht in seiner Hand. Die Entscheidung über seine Zukuft treffen die Fußballklubs der Nordamerikanischen Profiliga, der Major League Soccer (MLS). János, 23 Jahre alt, blonde kurze Haare, rosa Krawatte, der Arm tätowiert wie bei Toni Kroos, grauer Anzug.

Das ist der Moment, hier im McCormick-Convention-Center in Chicago, dem größten Kongresszentrum der USA. In den hinteren Reihen der Halle stehen extra angereiste Fans vom FC Cincinnati und Chicago Fire. Die Fernsehübertragung war ihnen nicht genug. Sie wollen den SuperDraft vor Ort sehen und blicken durch den gut 150 Meter langen Raum Richtung Bühne, auf die drei Bildschirme, jeder größer als ein Garagentor.

Willkommen zum MLS SuperDraft 2019. Mit dieser alljährlichen Veranstaltung will die Liga für ausgeglichenere Kräfteverhältnisse unter den Klubs sorgen. Das Verfahren gibt es auch in anderen US-Sportarten, in der NBA (Basketball) oder der NFL (American Football). Das Prinzip ist simpel: Der Tabellenletzte der vergangenen Spielzeit darf sich als Erstes eines der besten Talente aus den Colleges der USA und Kanadas aussuchen – der Klub macht einen sogenannten »Pick«. Als Zweites wählt der zweitschlechteste, dann der drittschlechteste und so weiter. Der aktuelle Meister ist erst als Letztes dran. Eigenartig, dass dieser ausgleichende Sportsgedanke ausgerechnet in einem der kapitalistischsten aller Länder gelebt wird. Immerhin sehr amerikanisch: Der SuperDraft ist eine riesige Zeremonie, bei dem die MLS jeden Pick zelebriert wie die Verleihung der Oscars. Inklusive Dankesrede vom verpflichteten Spieler, der dann ein Selfie mit dem Trikot seines neuen Vereins knipst.

»Top Bedingungen, die die MLS geschaffen hat.«

János Löbe fragt sich: Wer braucht einen flinken Außenspieler wie ihn? Wird er heute überhaupt ausgewählt? War es umsonst, dass seine Freundin extra aus New York, sein Vater sogar aus Deutschland angereist ist? Um das einordnen zu können, muss man acht Tage zurückschauen.

Frühmorgens, János sitzt im Ritz Carlton in Orlando. Der erste Tag des »MLS Combines«, ein einwöchiges Trainingscamp vor dem SuperDraft, steht an. Dort sollen die Vereine einen Eindruck von den knapp 70 besten Collegespielern bekommen. János ist einer von ihnen. »Top Bedingungen, die die MLS geschaffen hat«, sagt er und schwärmt gleich weiter von den 25 Grad Lufttemperatur im US-Bundesstaat Florida. Ein High-Class-Hotel, das MLS-Stadion von Orlando City als Trainings- und Spielstätte. So ein Level an Professionalität hat er noch nicht erlebt. Hier hat der große Káká seine Karriere austrudeln lassen. Hier soll die Profi-Karriere von János Löbe beginnen.