Der Videobeweis und die WM

Pfeif’ du es, ich hab’ ihn sicher

Seit Samstag steht der Videobeweis in den Regeln. Und er wird auch bei der WM zum Einsatz kommen, weil sein größter Fanboy das so will. Dabei ist das System nicht ausgereift. 

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Am Samstag traf sich zum 132. Mal das International Football Association Board (IFAB), das über die Regeln des Fußballs wacht. Selten zuvor war eine Pressekonferenz dieser Männer in den gedeckten Anzügen mit solcher Spannung erwartet worden, schließlich konnte man davon ausgehen, dass es etwas Neues zum Thema Videobeweis zu hören geben würde.

Vor zwei Jahren, beim 130. Treffen in Cardiff, hatte das IFAB nämlich eine zweijährige Testphase beschlossen, um zu sehen, ob »die Einführung eines Videoassistenten das Spiel verbessert«. Und vor einem Jahr kündigten die Regelhüter an, dass man auf Grundlage eines »ausführlichen Zwischenberichtes« diskutieren würde, ob der Videobeweis beim Treffen 2018 grünes Licht bekommen würde – oder nicht.

Infantino ist ein VAR-Fanboy

Das IFAB hat acht Mitglieder. Vier kommen von der FIFA, darunter ihr Präsident. Die anderen vier vertreten die ältesten Fußballverbände: England, Schottland, Wales und das heutige Nordirland. Um einen Beschluss durchzubringen, benötigt man sechs der acht Stimmen. Da die FIFA-Leute stets geschlossen abstimmen, war klar, dass der Videobeweis auf vier Stimmen zählen konnte, schließlich ist FIFA-Präsident Gianni Infantino – ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Sepp Blatter – ein bekennender Fan der mahnenden Stimme aus dem Off. 

Was die vier Briten im IFAB vom Videobeweis halten, war auch recht klar. Im Januar sagte Michael Glenn, der Chef des englischen Verbandes: »Wir habe sehr dafür gekämpft, dass der Fußball den VAR annimmt, nachdem er lange von Sepp Blatter und der FIFA abgelehnt wurde. Wir glauben, dass wir uns in ein paar Jahren darüber wundern werden, wie wir je ohne ihn leben konnten.«

Eine bedeutende Neuigkeit

Und doch weiß man ja nie, was bei einer Abstimmung so alles passieren kann, deswegen durfte man genervt sein, als Infantino die Pressekonferenz am Samstag mit ein paar lahmen Scherzen darüber begann, dass wohl niemand der Anwesenden auch beim ersten Treffen des IFAB dabei war, und sich dann über die endgültige Abschaffung der Dreifachbestrafung ausließ.

Dann sagte Infantino: »Das IFAB lässt den VAR zu. Seit heute ist der Video-Assistent Teil des Fußballs. Das ist natürlich eine bedeutende Neuigkeit.« Er fügte an, dass es wissenschaftliche Untersuchungen gegeben habe, die bestätigen würden: »Der Videobeweis ist gut für den Fußball, er bringt mehr Fairness.«