Der VfL Wolfsburg und seine Spielmacher

Passt nicht - macht nichts

Gerüchten zufolge ist Wolfsburg an Marcelinho interessiert. Der exzentrische Brasilianer würde sich in eine dubiose Tradition der VfL-Spielmacher einreihen – von Wollitz über Effe bis in die indiskutable Gegenwart. Wir blicken zurück. Imago
Heft #64 03 / 2007
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Bruno Akrapovic

Von 1992 bis 1994 wirkte der sympathische Bosnier mit der Feuchtfrisur in Wolfsburg, schoss in 79 Spielen sagenhafte null Tore. Der größte Erfolg in der Ära Akrapovic: Ein fünfter Rang in der 2. Bundesliga und ein verdientes 0:0 beim FC Homburg.


Claus-Dieter „Pele“ Wollitz

Der Edeltechniker trat das schwierige Erbe des Bruno Akrapovic an und führte die Wölfe zusammen mit dem kongenialen Holger Ballwanz auf den vierten Platz. Nur knapp verpassten sie den Aufstieg. Vielleicht lag’s an der 0:1-Heimniederlage gegen Zwickau.

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Chad Deering

Um endlich den Aufstieg zu schaffen, holten die VfL-Oberen einen richtigen Kracher: Den smarten US-Boy Chad Deering, einst bei Werder Bremen II. Er blieb jedoch ein Mitläufer und hatte beim rauschhaften Saisonfinale, bei dem Mainz 5:4 bezwungen wurde, seinen Stammplatz schon längst verloren.


Claudio Reyna

Der zweite Amerikaner beim VfL Wolfsburg darf als der erfolgreichere bezeichnet werden. Claudio Reyna hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der Verein sich im Oberhaus konsolidierte und für kurze Zeit so etwas Ähnliches wie Spielwitz in Ostniedersachsen zu sehen war. Er wechselte nach zwei Jahren zu den Glasgow Rangers, ist heute bei Manchester City beschäftigt. In Wolfsburg weint man ihm derweil noch immer nach.


Dorinel Munteanu

Der spröde Rumäne trat die Nachfolge Reynas an und begründete in seinen fünf Jahren beim VfL eine Spielkultur, die dort heute noch virulent ist: Keine Idee ist immer noch besser als eine schlechte. So wird man Elfter.


Dietmar Kühbauer

„Don Didi“ war eine Nummer zu groß für den VfL – zumindest, was sein Ego anbelangte. Er grantelte gegen Trainer Wolfgang Wolf, und weil dem nicht der Sinn nach Kaffeehaus-Polemik stand, setzte er Didi kurzerhand auf die Tribüne. Nach einem 9. und einem 11. Rang wechselte Kühbauer zum SV Mattersburg, wo er heute Carsten Jancker Tore aufzulegen versucht. Oftmals vergeblich zwar, doch der Don ist altersmilde geworden.


Stefan Effenberg

Aus Erfahrung wird man klug. Ein wahrer Satz, den die Macher des VfL seit Jahren geflissentlich ignorieren. Möglicherweise sind sie auch niemals klug geworden. Zu sehr leitete das Bedürfnis nach internationalem Esprit ihre Transferpolitik. Und so holten sie nach dem in Österreich weltberühmten Kühbauer den überall weltberühmten Stefan Effenberg. Diesem resp. seiner Gattin Claudia wurde die Autostadt jedoch nach einem guten halben Jahr zu eng, und sie eilten nach Katar. Heute stellt er pseudo-erotische Gemälde in den Baumärkten des Hamburger Umlands aus.


Andres d’Alessandro

Erstaunlich, wie der VfL immer wieder Spieler fand, die nicht zu ihm passten. Der genialische d’Alessandro etwa, von Maradona einst zu seinem legitimen Nachfolger erkoren, kam für neun Millionen Euro von River Plate - und wirkte von Anfang an, als wollte er sich nur für den nächsten Transfer empfehlen. Er spielte drei Jahre lang für die Galerie, doch angesichts der Bilanz von einem 9., einem 10. und einem 15. Platz wandte auch diese sich bald ab. D’Alessandro ging zum FC Portsmouth, dem VfL Wolfsburg Englands. Das hat Maradona wahrscheinlich schon nicht mehr mitbekommen.


Jonathan Santana

D’Alessandros Nachfolger bei River Plate wurde auch sein Nachfolger beim VfL Wolfsburg. Santana kam, sah und verschwand. Das Tempo in der Bundesliga sei ihm zu hoch, klagt der Sensible. Trainer Auge will ihm dennoch „alle Zeit der Welt geben“. Oder mindestens soviel Zeit, bis Marcelinho kommt. History repeated.

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In der Galerie: Die Chronologie der Missverständnisse.