Der VfL nach dem Koller-Rauswurf

Bochumer Sehnsucht

Seit vier Jahren spielt der VfL Bochum nun schon in der Bundesliga. Dennoch kam es am Ende zum Ermüdungsbruch zwischen Anhängern und Trainer. Der Klassenerhalt scheint den Fans nicht zu genügen. Wonach sehnen sie sich? Der VfL nach dem Koller-Rauswurf
In den nächsten Tagen wird wohl das Telefon auf der Geschäftsstelle des VfL Bochum ein wenig häufiger klingeln als sonst. Denn natürlich werden nun Heerscharen von arbeitslosen Trainern anrufen und nachfragen, ob sie nicht mal ihre Bewerbungsmappe mit Lichtbild und Zeugnissen im Ruhrstadion vorbeibringen dürfen. Und so sehr es uns interessieren würde, was der FC Schalke seinem Ex-Trainer Mirko Slomka wohl ins Zeugnis geschrieben hat (»Hat sich stets bemüht, unseren Ansprüchen gerecht zu werden«), so wenig scheinen die üblichen Verdächtigen der Preisklasse Röber, Götz & Slomka zum Anforderungsprofil der Bochumer zu passen.

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Denn einen sportlichen Übungsleiter, der möglichst unaufgeregt seine Arbeit verrichtet und dem VfL am Ende mit viel Glück den Klassenerhalt in der Bundesliga sichert, hatten die Bochumer ja mit Marcel Koller unter Vertrag: Der neue Coach muss also etwas anderes mitbringen.

Nur was bloß?

Fassen wir mal zusammen: Marcel Koller ist beim VfL Bochum gefeuert worden, obwohl der VfL nun bereits im vierten Jahr Bundesliga spielt und obwohl die Mannschaft auch in dieser Saison zumindest einigermaßen konkurrenzfähig scheint. Dass Koller dennoch gegangen wurde, wurde in der Fachpresse scharf kritisiert. Spiegel-Korrespondent Christoph Biermann formulierte den Lehrsatz: »Besonnene Fachleute auf der Trainerbank kommen bei den Fans im Ruhrgebiet nicht an«, und mutmaßte, Koller sei »vielen Zuschauern nicht emotional und hemdsärmelig genug« gewesen. In Bochum und Nachbarschaft bevorzuge man »Grantler wie Huub Stevens und volksnahe Schwadroneure wie Peter Neururer«.

Glücklich, gegen den Abstieg zu kämpfen

Nun mag dazu nicht so recht passen, dass sie in Bochum eben jenen angeblich bevorzugten Peter Neururer auch schon mal hinausgeekelt haben. Wie man es sich überhaupt zu einfach macht, wenn man die zerrüttete Beziehung zwischen den Bochumer Anhängern und Marcel Koller allein daran festmacht, dass der Trainer nicht brüllend am Spielfeldrand stand und in der Sommerpause nicht die Champions-League-Qualifikation als Saisonziel ausgerufen hat. Die wachsende Antipathie hat hingegen eine lange Geschichte und vielerlei Gründe. Eine  in den letzten Jahren zumindest diskutable Einlaufspolitik, eine oft unattraktive und auf Ergebnissicherung bedachte Spielanlage, hinzu kam die wie ein Mantra zu jedem Saisonbeginn verkündete Weisheit, dass man sich als kleiner Verein wie der VfL Bochum glücklich schätzen könne, in der Bundesliga gegen den Abstieg zu kämpfen.

Nicht die feine, englische Art

All das war vielleicht sportlich gerechtfertigt , es hat dennoch am Ende zum Ermüdungsbruch zwischen Anhänger und Trainer geführt. Weil es den Anhängern eben nicht allein darum geht, am Ende der Saison den Klassenerhalt feiern zu können. Manchmal reicht auch schon eine Mannschaft, deren Leidenschaft und Kampfgeist und Freude am Spiel auf dem Rasen sichtbar wird. Natürlich, wie die Fans am Ende Front gegen Koller gemacht haben, das war nicht die feine, englische Art. Aber fest steht auch, dass der Trainer und mit ihm die Klubführung die Wünsche und Hoffnungen des Publikums bis zum Schluss nicht sonderlich ernst genommen haben. Erst jetzt sucht die Vereinsspitze den Dialog mit den Anhängern. Für Koller kommt er zu spät, für den VfL vielleicht gerade noch rechtzeitig.