Der Traum eines Fans mit Asperger-Syndrom

Was für ein Tag!

Francis aus Irland ist am Asperger-Syndrom erkrankt. Jeden Tag geht er in ein Restaurant und erzählt von seiner Liebe: Everton FC. Der Beginn einer bezaubernden Geschichte.

Everton FC

Nicht viele rührende Geschichten beginnen an der Theke von Fastfoodrestaurants. Diese hier schon. Eoin Mulligan arbeitet seit Jahren als Verkäufer der Kette »Supermac« im irischen Athlone. Gerade die Nachtschichten waren für ihn und seine Kollegen sehr aufreibend, doch die Stimmung hellte sich bei einem Besucher immer wieder auf. Über dem Laden wohnt Francis Conmey, ein Mann mit sonnigem Gemüt. Ein Mann, der am Asperger-Syndrom erkrankt ist. Es kommt vor, dass er durch die Haare seiner Mitmenschen fährt und fremde Frauen mal kurz fragt, ob sie verheiratet seien. »Trotz seiner Krankheit besitzt Francis diese ansteckende Energie, die jedem Umstehenden sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert und den ganzen Tag rettet«, drückte es der Verkäufer Eoin aus. Die beiden tauschten sich immer wieder aus und stellten dabei fest, dass sie die gemeinsame Liebe für den Fußball verbindet, genauer gesagt zum englischen Klub Everton FC.

Evertons Abwehrspieler organisiert die Reise

Eoin entschloss sich im August dazu, seinem Lieblingskunden ein Geschenk zu machen für all die Freude, die er ihm während der Arbeit bereitet hatte. Er besorgte ihm das neue Trikot von Everton mit dem Schriftzug von Francis’ Lieblingsspieler Wayne Rooney auf dem Rücken. Als er ihm das Jersey überreichte, war Francis komplett aus dem Häuschen. Gleichzeitig fragte er seinen Freund hinter dem Tresen: »Aber du hast doch auch ein eigenes?« – »Ja klar, ich habe auch ein Trikot.« Mulligan postete das Video von der Geschenkübergabe auf seiner Facebookseite. Die Geschichte der beiden ging viral, bis sogar der Verein den Post teilte. Die User fingen an, Spenden zu sammeln, damit Francis endlich zu einem Heimspiel seines geliebten Everton FC reisen könne. Der irische Everton-Spieler Seamus Coleman überwies umgehend 2000 Euro.


Dem großen Traum stand nichts mehr im Wege. Eoin Mulligan und Francis machten sich also tatsächlich auf den Weg zum Europapokalheimspiel gegen Hajduk Split. Francis jubelte schon bei der Abreise. Doch plötzlich erkrankte er am gleichen Tag, die beiden konnten nicht ins Stadion und mussten ihren Trip beenden. Doch so durfte die Geschichte nicht enden. Mittlerweile engagierten sich auch Everton und Eoins Arbeitgeber, sie halfen bei der Organisation einer zweiten Reise. Francis sollte unbedingt seine »Toffees« im Stadion sehen. Und am 29. November klappte es: Die beiden Iren sahen nicht nur das Spiel gegen West Ham im Goodison Park, sie trafen außerdem die Mannschaft – und dabei Wayne Rooney. Francis, ein absoluter Fachmann, tippte ein optimistisches 5:0 für Everton. Endergebnis: 4:0.



Was an einem Tresen im Fastfood-Restaurant begann, erreichte nun 400 Kilometer entfernt seinen Höhepunkt: eine Geschichte über Hilfe, Empathie und die Liebe für einen Klub. Mulligan postete wieder ein Video im Netz, dieses zeigte, wie er und Francis das Tor von Everton im Stadion bejubelten. Dazu schrieb er: »Was für ein Tag. Was für ein Erlebnis. Träume werden tatsächlich wahr.«