Der Transfermarkt wird zum Monopoly

Was kostet die Welt?

Der europäische Fußball entwickelt sich – und zwar leider zurück in Richtung Kindergarten. Die Scheichs spielen »Kaufladen«, Betriebswirte verzweifeln. Wenn Geld keine Rolle spielt, ist für Vernunft kein Platz. Der Transfermarkt wird zum MonopolyImago Es ist die klassische Situation beim gemeinsamen Monopoly-Abend. Als erster der Spielrunde landet man auf der »Schlossallee«, und mit einem Mal verstummen die Gespräche am Tisch. Der Vater zieht verächtlich die Augenbraue hoch: »Na Sohn, kannst du dir das leisten?«, die Mutter fällt ihm beschwichtigend ins Wort: »Nicht alles Geld auf einmal ausgeben«, und die Geschwister freuen sich über das Dilemma, in dem der unglückliche Spieler sitzt. Soll er nun oder soll er nicht? Fast sein ganzes Geld ausgeben und in ein Grundstück mit Hotel investieren oder lieber nichts riskieren? Auf der einen Seite die Kosten, auf der anderen der mögliche Ertrag. Keine leichte Entscheidung.

[ad]

Im modernen Fußballgeschäft dagegen wäre die Entscheidung bestimmt schnell gefallen. Denn hier wird mit nicht Monopoly gespielt, sondern die primitive Vorstufe aus Kindergartenzeiten: Kaufladen. Es geht nicht um eine einfache Kosten-Ertragsrechnung, sondern nur noch um den Kauf an sich. Da wechselt dann schon einmal ein Holzklotz für 10.000 Euro den Besitzer. Oder eben ein Robinho für 42 Millionen.

Vollkommen aus der Luft gegriffene Beträge


Was Manchester City mit seinem neuen Investoren-Konsortium aus Abu Dhabi diese Woche mit der Verpflichtung von Robinho vorgemacht hat, wird höchstwahrscheinlich keine Ausnahme, sondern Regel im europäischen Fußball werden. Ohne einen Blick auf die möglichen Erträge durch einen Transfer zu riskieren, werden prominente Spieler für teils vollkommen aus der Luft gegriffene Beträge gekauft.

Im Falle Robinhos hält der Spielerkauf einer vergleichenden Rechnung zwar eventuell gerade noch stand, er steht aber nur am Anfang einer Entwicklung hin zu Transfergeschäften ohne betriebswirtschaftliche Gegenrechnung. Schon wurde angekündigt, in der nächsten Transferperiode 165 Millionen Euro für Cristiano Ronaldo von Manchester United zu bieten. Bereits die von Real Madrid zuvor veranschlagten 100 Millionen trieben jedem Betriebswirt die Tränen in die Augen. Soviel Ertrag kann ein einzelner Spieler einem Verein niemals einbringen.

Bisher waren die genannten astronomischen Summen meist nur heiße Luft, aber auch das wird sich ändern. Immer mehr finanzkräftige Investoren versüßen sich die Freizeit durch den Kauf des ein oder anderen Fußballklubs. Den wenigsten geht es dabei um unternehmerischen Erfolg, Geld ist bei den reichen Oligarchen und Scheichs zur Genüge vorhanden. Zwangsläufig werden sich die vor Geld strotzenden Klubeigentümer in ganz neue Transfersummen hineinsteigern. Der bisherige Ablösesummenrekord von Zinedine Zidane (76 Millionen) im Jahr 2001 wird kein weiteres Jahr überleben. Diejenigen Vereine ohne finanzstarken Geldgeber im Hintergrund, werden sich bald vorkommen, als hätten sie nur eine Jugendherberge in der »Badstraße«.

Verwandte Artikel