Der SV Wilhelmshaven gegen die FIFA

Der DFB steckt in einer Zwickmühle

Naraschewski ahnt, warum die Kompromissbereitschaft aus Frankfurt entgegen aller Beteuerungen nach wie vor vorhanden ist: »Der DFB hat die Pflicht, jede Entscheidung des CAS daraufhin zu prüfen, ob diese überhaupt nach der eigenen Satzung vollzogen werden darf. Das ist in unserem Fall nicht geschehen.« Laut Satzung erkennt der Verband die Entscheidungen des Sportgerichts CAS nur als bindend an, »soweit zwingendes nationales oder internationales Recht nicht entgegensteht.« Ordentliche Gerichte haben jedoch entschieden, dass Ausbildungsentschädigungen genau das tun. Doch statt Hilfestellung zu leisten, so sieht es Naraschewski, habe sich der DFB im Laufe des Verfahrens immer mehr als Briefträger erwiesen, der die Sanktionen der FIFA einfach nach unten durchreiche. Das hat den Verein enttäuscht und ganz offenbar seinen Kampfeswillen gestärkt.

Sportrecht gegen Staatsrecht

 »Solange Wilhelmshaven gegen den DFB und den NFV klagt, kann man doch in diesem Fall keine uneingeschränkte Hilfe erwarten«, sagt Eugen Gehlenborg. Ohnehin könne der DFB Entscheidungen des Weltverbandes nicht ohne weiteres bekämpfen. Ein Argument: Der SV Wilhelmshaven habe mit seiner Teilnahme am Spielbetrieb der Regionalliga automatisch die FIFA-Statuten akzeptiert. Doch auch diese sogenannte »dynamische Satzungsverweisung« verstößt gegen deutsche Gesetze. Es steht Sportrecht gegen Staatsrecht.

»Der DFB spielt ein heikles Spiel. Er riskiert, dass ein ordentliches Gericht seine Satzung für rechtswidrig erklären könnte«, sagt Naraschewski. »Das wäre ein Super-GAU. Auch für die FIFA.« Dabei muss er grinsen. Die Rolle des Underdogs gefällt ihm. So gut, dass er große Teile seiner Freizeit ehrenamtlich an dem Fall arbeitet. So kommt schnell eine 80-Stunden-Woche zusammen. Da werden Paragrafen zu Freunden. »Wenn ich an der Sache keine Freude hätte, würde ich das gar nicht überstehen«, sagt er. Mittlerweile hat er sich Hilfe von einem Anwalt aus Hannover geholt.
Denn im 12. März steht eine weitere Verhandlung vor dem Landgericht Bremen an. Abteilung Kartellrecht. Sollte die Klage gegen die FIFA-Sanktion scheitern, wandert man eben weiter. »Jetzt gehen wir auch bis in die letzte Instanz«, kündigt Naraschewski an.

Ganz oben? Oder ganz unten?

Er ist sich sicher, dass der kleine SV Wilhelmshaven eine Entscheidung bewirken kann, die dem Bosman-Urteil gleichkommt. 1995 hatte der Europäische Gerichtshof nach einer Klage des Belgiers entschieden, dass Profis nach Auslaufen ihres Vertrages innerhalb der EU ablösefrei wechseln dürfen. Dann stünden die Jadekicker an der Spitze einer Bewegung. Ganz oben. Da, wo sie noch nie waren. DFB-Vize Eugen Gehlenborg bezweifelt das und sagt: »Die werden absteigen!« Ein Kompromiss scheint unerreichbar.

Doch damit nicht genug: Die FIFA bestätigte gegenüber 11 FREUNDE, dass derzeit ein zweites Verfahren gegen den Klub eröffnet werde. Sollten die geforderten Zahlungen weiter ausbleiben, könnte der Verein mit einem weiteren Zwangsabstieg sanktioniert werden. Dann wäre der SV Wilhelmshaven in der sechsten Liga angekommen. Oder anders gesagt: ganz unten.