Der schwierige Spagat des Luka Modric

Modric ermöglicht die Sensation

Ein Jahr später steht er mit gerade 17 Jahren zur Wahl als Spieler der Saison. Modric sagt: »Wer in dieser Liga spielen kann, kann überall spielen.« Das Leichtgewicht lernt, sich zu wehren. Und steigt auch deswegen auf, immer weiter Richtung Fußballhimmel. Meister und Spieler des Jahres in Kroatien, Spieler der Saison und Rekordverdiener bei Tottenham, dann, 2012, der Wechsel zu Real Madrid.

Auch wegen ihm muss Mesut Özil ein Jahr später gehen. Trainer Carlo Ancelotti soll sich für einen der beiden Spielmacher entscheiden, sieht in Modric das bessere Gesamtpaket.

 Der Kroate ist nicht nur offensiver Regisseur, sondern längst auch auch defensiver Abräumer. Kollegen und Trainer geraten regelmäßig ins Schwärmen über ihn. Nico Kovac, der neue Bayern- und Ex-Nationaltrainer Kroatiens, sagte früh: »Er ist cool wie ein Großer.« Slaven Bilic, ebenfalls Ex-Nationaltrainer, offenbarte: »Seine Qualitäten sind überragend. Ich habe die ganze Taktik um Modric gestrickt.« Sir Alex Ferguson, Manchester Uniteds Manager-Ikone, wiederum sagte schon 2012: »Er macht praktisch nie Fehler.«

Modric ermöglicht die Sensation

Sechs Jahre und allein vier Champions-League-Titel später befand dann selbst Cristiano Ronaldo, dieser Hypersuperstar: »Modric entscheidet, wie wir spielen.« 

Wenn Ronaldo eine Sensation ist, ist Modric derjenige, der sie ermöglicht.

Er bereitet nicht viele Treffer vor, in der abgelaufenen Saison der spanischen Liga waren es gerade einmal sechs Assists. Seine Kernkompetenz ist der vorletzte Pass. Modric macht seine Mitspieler besser, bringt sie mit seinen Spielverlagerungen in aussichtsreiche Positionen, reißt mit seinen Läufen Lücken, die Cristiano Ronaldo und Co. erst den Platz verschaffen, die sie für ihre Tor-Aktionen brauchen.

Wie der Aufgalopp von etwas Großem

Dann pflügt er durch das Mittelfeld, die lange Mähne wogt über der schmalen Statur wie der Aufgalopp von etwas Großem. »El pony« nennen ihn seine Mitspieler bei Real, weil sein fußballerisches Wesen etwas von einem galoppierenden Pferd besitzt.

 »Wenn ich den Ball habe, bin ich zufrieden«, sagte er vor der WM im Interview mit »El Pais« über sich. Dabei ist eine seiner stärksten Szenen, die er im Laufe dieser Weltmeisterschaft bisher zeigte, die glatte Anti-These dazu.