Der Neustart des Nelson Valdez

Alles auf Null

Mit großen Hoffnungen kam Nelson Valdez von Werder Bremen zu Borussia Dortmund – doch erfüllt haben sie sich bislang nicht. Nun will der Angreifer sein Potenzial endlich ausschöpfen. Kloppo soll ihm dabei helfen. Der Neustart des Nelson Valdezimago images
In negativer Hinsicht war das der bittere Augenblick seiner Auswechslung beim Last-Minute-Sieg gegen Bayer Leverkusen, als die BVB-Fans ihn als Sündenbock für die schwache Leistung ihrer Mannschaft ausgemacht hatten. Doch nur wenige Wochen später, beim 3:2-Erfolg über den VfB Stuttgart, kämpfte sich der Paraguayer zurück ins Herz der Südtribüne, zeigte eine phänomenale Laufleistung und legte zudem den entscheidenden Treffer für Alex Frei auf.

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Kurz danach meinte man einen lauten Knall im Signal Iduna Park gehört zu haben. War das der geplatzte Knoten beim früheren Bremer Torjäger? »Ich hoffe mal, dass das die Wende für mich war«, schmunzelt der 24-Jährige, wenn man ihn darauf anspricht, und erklärt: »Meine letzten Spiele waren gut. Ich möchte, dass die nächste Saison meine wird, und es endlich allen zeigen, warum man mich damals geholt hat.« Einen neuen Fan hat der 22-fache Nationalspieler schon gefunden: seinen neuen Trainer Jürgen Klopp.

»Ihr müsst Euch alle neu polen, die Reset-Taste drücken, alte Schablonen wegschmeißen und abkommen von diesem: Der ist schnell, rennt viel, schießt aber keine Tore«, forderte der Ex-Mainzer jüngst die Journalisten, aber auch den schwarz-gelben Anhang, dazu auf, dem Kilometerfresser eine Chance zum Neuanfang einzuräumen. Der 41-Jährige scheint auf den schnellen Angreifer zu bauen, weil dieser sich nicht zu schade ist, auch einmal im eigenen Strafraum den Ball zu erkämpfen. Denn mit dieser Eigenschaft passt Valdez exakt ins auf Pressing ausgerichtete Spielsystem von Klopp, und könnte sich so, zumindest so lange Frei noch ausfällt, seinen Platz in der Startaufstellung sichern.

»Ich glaube an Gerechtigkeit im Leben«

Sein Engagement steht dabei außer Zweifel, wie Klopp versichert: »Nelson kommt hier an und gibt aus dem Stand 100 Prozent. Das ist ein unglaublicher Charakterzug von ihm. Ich glaube an Gerechtigkeit im Leben, so etwas wird immer belohnt.« In den Tests klappte die Belohnung bereits recht ansehnlich, zwei Treffer bereitete er bei seinen bislang drei Einsätzen gegen Luzern, Basel und RWE vor, eins markierte er selbst. Doch in erster Linie ist es wichtig, dass Valdez künftig auch in Pflichtspielen die Nerven behält. Wie das gehen könnte, hat Klopp dem WM-Teilnehmer von 2006 bereits erklärt: »Er hat mir gesagt, dass er meine Spielweise sehr mag und ich so weitermachen soll. Vor allem aber soll ich vor dem Tor den Puls ein wenig runter nehmen und cooler agieren.«

Leichter gesagt als getan, doch trotzdem ist der zweifache Vater optimistisch, dass es nicht nur für ihn, sondern mit dem gesamten Team aufwärts geht: »Ich finde es gut, dass wir unter Jürgen Klopp viel mehr gemeinsam machen als vorher, und nicht in kleine Gruppen zerfallen. In der letzten Saison haben wir nie die richtige Lösung für dieses Problem gefunden. Doch ich denke, dass wir in Zukunft als Mannschaft viel besser funktionieren als zuletzt.«