Der Nations-League-Abstieg aus Sicht des Fanklub Nationalmannschaft

»Ich fahr doch nicht nach Meppen!«

Niemanden interessiert der Abstieg der Nationalelf aus der Nations League. Niemanden? Doch, die Mitglieder des Fanklubs Nationalmannschaft powered by Coca Cola. Ein erschütterndes Stimmungsbild.

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Leere Blicke, tränennasse Gesichter, verzweifelte Fans, die mit hängenden Köpfen auf den Stadiontrassen hockten und sich ihren Gefühlen hingaben: Der erste Abstieg in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft hat vor allem die Treuesten der Treuen kalt erwischt. Jene Fans, die immer da sind und Tag für Tag, Länderspielpause für Länderspielpause, alles für ihre Mannschaft geben: Die Mitglieder des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola.

Dabei war es für viele Mitglieder des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola nicht einfach, ihre Gefühle so kurz nach der Schmach zu sortieren. Die Stimmung im Block – ohnehin ja ein wildes, chaotisches Biotop diversester weißer, mittelalter Männer – drohte kurzzeitig zu kippen. »Ich fahr doch nicht nach Meppen«, schrie Karl D., ein pensionierter Erdkundelehrer aus Bünde, bevor er mit einem Weinkrampf in seiner Sitzschale zusammensackte. Auch viele andere Fans waren wütend über die dargebotene Leistung ihrer Lieblinge. »Das ist eine Schweinerei«, so Peter S., 57-jähriger Sachbearbeiter bei einem mittelständischen Dichtungsring-Hersteller von der Schwäbischen Alb.

»In einem so prestigeträchtigen Wettbewerb wie der Nations League sich so zu präsentieren«. Die Deutschlandschminke auf seinen Wangen war da schon längst verwischt, der Deutschlandafro stand zerzaust vom Kopf. »Das ist respektlos uns Mitgliedern des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola gegenüber. Da sitzen gut bezahlte Leute in den PR-Büros, die viel Zeit und Energie in so eine tolle Choreo stecken, und dann kommt da nichts zurück.« Fassungslosigkeit, so S., treffe seinen Gemütszustand am ehesten.

»Schon wieder Länderspielpausepause«

Ein Gefühl, mit dem S. nicht alleine dasteht. Die Entfremdung zwischen dem DFB und den Mitgliedern des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola, sie ist nicht mehr zu übersehen. »Es sind die kleinen Dinge«, sagt Jochen W., Mitarbeiter im Rechnungswesen im Finanzamt Köln-Porz. »Dass ein Hashtag wie #ZSMNN einfach still und leise beerdigt wird, kann ich nicht verstehen. Da fühle ich mich übergangen.« Auch dass wieder vermehrt von der »Deutschen Nationalmannschaft« die Rede sei, stößt W. sauer auf. »Das wird für uns immer die ›Die Mannschaft‹ bleiben, das ist doch klar. Und dann spielen die plötzlich nicht mehr den Pocher nach Toren. Sowas geht nicht. Da muss man die Mitglieder des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola mit einbeziehen. Klar, der Forster kann nichtssagende Popkonserven genauso gut wie der Pocher, aber trotzdem. Was der Oli alles für den deutschen Fußball getan hat, das lässt sich gar nicht in Worte fassen. So Leute sägt man nicht einfach ab.« Ob es auch wegen dieser vielen kleinen Irritationen zum Stimmungsboykott gegen Holland gekommen sei, konnte W. so aber nicht bestätigen. »Stimmungsboykott? Was meinen Sie?«

Es wird nun die Aufgabe des DFB sein, alle wieder mit ins Boot zu holen. Die Mannschaft, die Mitglieder des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola und vor allem auch die Stakeholder. Eine Aufgabe, die nur in der Praxis zu bewältigen sein wird, etwa dadurch, die Kritik am Spielplan endlich ernst zu nehmen. Denn auch dort fühlen sich die Mitglieder des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola übergangen. »Jetzt ist schon wieder Länderspielpausepause«, echauffierte sich Horst L., Spreewaldgurkenglas-Fabrikant aus dem Odenwald. »Kein Mensch will diese blöde Bundesliga sehen. Ich habe keine Lust, immer zwei, drei, manchmal sogar vier Wochen auf die nächste Länderspielpause zu warten.« 

»Diese Klatschpappe hat mir einst mein Vater vermacht«

Der Neubeginn, der viel beschworene Umbruch, er muss in der Zweiten Liga nicht nur auf sportlicher Ebene stattfinden, sondern auch abseits des Spielfelds, im Dialog mit den Mitglieder des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola. Sonst droht ein Riss zwischen der Nationalmannschaft und den Mitgliedern des Fanklubs der Deutschen Nationalmannschaft powered by Coca Cola, den allerhöchstens noch eine clevere Jung-von-Matt-Kampagne kitten kann. »Diese Klatschpappe hat mir einst mein Vater vermacht«, sagte Helmut S., Einzelhandelskaufmann aus Memmingen mit tränensatter Stimme. »Eines Tages soll sie mein Junge, der kleine Udo-Reiner, Lagerist aus Bochholt, bekommen. Aber wie es zuletzt lief, da ist mir gar nicht mehr nach klatschen. Und der Kleine«, so S. weinend, »der will nicht mal mehr seine Uwu-Lena-CDs hören.«