Der märchenhafte Aufstieg des SSV Jeddeloh II

Der Traum von den Bayern

Dieses Understatement kann Pose sein, Koketterie. Einerseits. Andererseits ist der SSV Jeddeloh II, trotz der vielen Sponsoren, trotz Bleys dickem Portemonnaie, von außen kaum von einem Bezirksligisten zu unterscheiden. Vieles ist große Improvisation. Das Team hat nicht mal einen geeigneten Trainingsplatz, der Acker neben dem Spielfeld ist nur 70 Meter lang und im Winter nicht bespielbar. Also geht die Mannschaft dienstags an der Sportfakultät der Uni Oldenburg laufen, mittwochs trainiert sie im Soccerland Donnerschwee, freitags spielt sie auf einem Kunstrasenplatz in Oldenburg.


»Ein blau weißes Dorf in der Regionalliga Nord« – Reportage in der Sportschau.

Heute ist Dienstag, Lauftraining. Die Mannschaft versammelt sich um 18.30 Uhr in einer Sporthalle und wartet, die Flutlichter werden erst um 19 Uhr angemacht, pünktlich, da gibt’s nix. Trainer Key Riebau, 27 Jahre jung, Acht-Tage-Bart, halblanges Haar, lehnt an der Wand. Er hat früher für den SSV und den VfL Oldenburg gespielt. Heute ist er Hauptschullehrer für Deutsch und Sport, aber er würde gerne eine höherklassige Mannschaft trainieren, dritte Liga oder sogar zweite. Vielleicht ist er einer der wenigen in Jeddeloh, der die große Reise noch vor sich hat.

»Wir haben uns gut umgestellt«

Die Referenzen sind recht ordentlich. Vergangene Saison ist er als Co-Trainer mit Jeddeloh aufgestiegen, diese Saison hat er die Mannschaft als Cheftrainer zwischenzeitlich, nach sieben Siegen in Folge, auf Platz zwei der Regionalliga geführt. Mit Spielern, die bis in den späten Nachmittag arbeiten und dreimal die Woche an unterschiedlichen Orten trainieren. Wie er das geschafft hat? »Wir haben uns gut umgestellt. Anfangs gab’s eine hohe Niederlage gegen St. Paulis Zweite. Danach agierten wir kompakter und defensiver«, erklärt er im professionellen Field-Interview-Stil.


Training an der Uni Oldenburg. (Foto: Florian Manz)

Während die Spieler auf der Tartanbahn Meter machen, stellen die Co-Trainer und die Betreuer einen Klapptisch auf. Es gibt Tee aus Plastikbechern, dazu Powerriegel. Auch Ansgar Schnabel, der Sportliche Leiter, ist gekommen. Sie sprechen über ein Hallenturnier am Wochenende. Über einen Kunstrasenplatz, den die Gemeinde Edewecht bauen will. Und dann löst Schnabel doch noch die Euphoriebremse. Es geht um das Landespokalhalbfinale im April gegen den Oberligisten Arminia Hannover. Wenn der SSV das Spiel gewinnt, zieht er in den DFB-Pokal ein. Wie viel Geld plötzlich da wäre! Wie viel neue Möglichkeiten es gäbe! Vielleicht kommen ja die Bayern! Ganz sicher würde das ZDF zu ihnen schalten!

Schnabels Augen leuchten in der Nacht, die Gedanken fahren Achterbahn. Bis sie abrupt zum Stehen kommen. »Na gut«, sagt er am Ende im trockenen Norddeutsch, »die Sportstudio-Situation müssten wir auf jeden Fall üben, da gibt’s nix.«

Einen Nachbericht zum Sieg gegen Arminia Hannover (mit Video) gibt es bei den Kollegen des NDR >>