Der lange Kampf um die BVB-Karten – ein Selbstversuch

Freude dauert länger als 90 Minuten

6.30 Uhr: Nur langsam beruhigt sich die Lage, weil klar wird, dass fast alle ein gelbes Kärtchen kriegen. Aber von dort aus ist es noch ein weiter, ein sehr weiter Weg.

7.30 Uhr: Dicht an dicht stehen die Menschen in einer Reihe. Sie haben nicht geschlafen, sie haben nicht gefrühstückt, und sie haben seit Stunden kaum noch ihre Beine bewegen können. Graue Gesichter. Es gibt Frühstück: Prinzenrolle. Oder Pils.

8.30 Uhr: Die Tore müssten sich öffnen, Karten verteilt werden. Aber es geht nicht voran. Von einem technischen Defekt ist die Rede. Die Fans warten darauf, dass ihnen jemand sagt, wie es weitergeht. Die verflixten Tickets. So nah und doch so fern.

10 Uhr: Irgendwann werden die Fans an diese Stunden zurückdenken, ist ja eine Geschichte, die man erzählen kann. Die Mühen, die Plackerei, das Warten. Jetzt aber rufen sie: »Wir hamm die Schnauze voll.« Und: »In keinem Dorfkiosk wartet man so lange.« Zumindest der Ablauf hat sich nun herumgesprochen: Die gelben Kärtchen sind nummeriert. Einer nach dem anderen wird hereingewunken.

12.15 Uhr: »Länger als 12 Uhr haben wir hier noch nie gestanden«, sagt der wachsame Türsteher. Naja, irgendwann ist immer das erste Mal. Real sprengt alle Dimensionen. Manche scheitern kurz vor dem Ziel, weil sie längst zur Arbeit müssen, weil sie das gelbe Kärtchen falsch ausgefüllt haben. Ein Kopfschütteln, das weh tut.

12.45 Uhr: Die 436 darf auch rein. Zwei Karten, weit oben, weit an der Seite, aber nebeneinander. Für 70 Euro. Zusammen. Wahrhaftig. Karten für Real. Hinter dem Schalter steht in dicken gelben Buchstaben ein Dortmunder Marketing-Motto geschrieben: »Freude dauert länger als 90 Minuten.«

Ärger manchmal auch.

Aber: Vadda, du hast Karten!