Der Kampf der Nürnberger Fans um die Stadion-Umbenennung

Kübel Dreck über den Sponsor

»Es wird Dreck über dem Namenssponsor ausgekübelt und er soll dafür auch noch Geld bezahlen.«

Die Strategie der Initiative ist geschickt: Welche Firma will am Ende schon der Bösewicht sein, der mit seinem Engagement verhindert, dass das Stadion nach dem Nürnberger Idol Max Morlock benannt werden kann? In diesem Sinne versucht die Initiative mit Choreografien, Infoständen, Flashmobs und Aktionen wie dem Austausch der Zeitungsschürzen seit einem Jahr die öffentliche Meinung zu beeinflussen und den Eindruck entstehen zu lassen, alle Fans seien gegen einen verkauften Stadionnamen – was in der Realität gar nicht der Fall ist. Niemand in Nürnberg würde freilich etwas gegen ein Max-Morlock-Stadion einwenden. »Wir schreiben uns schon ein bisschen auf die Fahnen, dass Easycredit ausgestiegen ist und bis jetzt kein neuer Namenssponsor gefunden wurde«, sagt Simon Parkend. Wobei die Goldgräberjahre beim Stadionsponsoring ohnehin vorbei zu sein scheinen. In Mönchengladbach suchen sie seit Jahren nach einem Sponsor, in Kaiserslautern wurde die Suche vorläufig zu den Akten gelegt, aus der Sorge, dass eine Ablösung des Pfälzer Helden Fritz Walter als Namenspatron zu einem Volksaufstand führen könnte. Dort, wo es verkaufte Namen gibt, hat man vielerorts den Überblick verloren.

Abschreckendes Beispiel: Hamburg

Das Hamburger Stadion heißt seit 2010 Imtech-Arena und hat damit bereits den dritten Namenswechsel innerhalb von zehn Jahren hinter sich. Die Buchstabenkombination SGL, die seit kurzem die Augsburger Arena ziert, wird man sich wohl noch in Monaten nicht merken können. Und bei einer Bezeichnung wie Schauinsland-Reisen-
Arena (Duisburg) ist dann endgültig der Bereich der Realsatire erreicht. In Nürnberg läuft am 30. Juni der Vertrag mit Easycredit aus, aber noch ist weit und breit kein Nachfolger in Sicht. »Es wird nicht einfach, einen neuen Sponsor zu finden«, glaubt Rolf Woy, der Finanzvorstand des 1. FC Nürnberg. »Es wird Dreck über dem Namenssponsor ausgekübelt und er soll dafür auch noch Geld bezahlen.« Indes kann sich der Club das Geschehen erst mal halbwegs entspannt aus der Distanz anschauen, denn er ist lediglich Mieter im Stadion. Für die Vermarktung und damit für die Suche nach einem Namenssponsor zuständig ist die Stadionbetreiber-Gesellschaft, die zu 74,9 Prozent dem Baukonzern Hochtief und zu 25,1 Prozent der Stadt Nürnberg gehört. Sollte es nicht gelingen, die Nachfolge von Easycredit zu regeln, könnte die klamme Kommune Probleme bekommen, Kredite zu bedienen, die sie einst für den Stadionausbau zur WM 2006 aufgenommen hat.

»Vielleicht heißt es auch nur Stadion.«

So hat Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bereits das Schreckensszenario möglicher Kita-Schließungen entworfen, sollte kein Namenssponsor gefunden werden. Ganz unbeteiligt ist allerdings auch der 1. FC Nürnberg nicht. Zum einen spekuliert er darauf, dass der neue Sponsor gleichzeitig eine Exklusivpartnerschaft mit dem Verein abschließt – so wie es auch bei Easycredit der Fall war. Außerdem könnte ein Wegfall der Einnahmen aus dem Namenssponsoring die Betreiber dazu bringen, nach dem Ende des noch bis Mitte 2013 gültigen Mietvertrags den FCN stärker zur Kasse zu bitten. Wobei Club-Finanzvorstand Woy diesem Gedanken bereits eine Absage erteilt hat: »Wenn es in einem Vierparteienhaushalt keinen Nachmieter gibt, wird der Ausfall ja auch nicht auf nicht auf die drei anderen Parteien abgewälzt.« Und wie wird das Stadion nun heißen, wenn bis Ende Juni kein neuer Namensgeber gefunden ist?

Die Option Max-Morlock-Stadion ist, das wissen die Befürworter selbst, nach wie vor ziemlich unwahrscheinlich – würde es doch eine extreme emotionale Hürde bedeuten, diese Umbenennung wieder rückgängig zu machen, falls irgendwann ein neuer Sponsor gefunden wird. Mehr spricht dafür, dass die Nürnberger Arena zumindest vorübergehend wieder Frankenstadion heißen wird, auch wenn Alfred Diesner, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, sagt: »Vielleicht heißt es auch nur Stadion. Frankenstadion wäre schon wieder eine Festlegung.«

Das wäre in der Tat mal was ganz Neues: ein Stadion, das Stadion heißt. Allerdings soll sich die Stadt Nürnberg bereits auf Frankenstadion als Interimslösung verständigt und entsprechendes Briefpapier gedruckt haben. Vielleicht kommt ja doch noch kurzfristig ein neuer Patron um die Ecke, zumal jetzt auch Club-Vermarkter Sportfive in die Suche involviert ist. Rolf Woy hat derweil eine Idee, mit der möglicherweise alle Parteien leben können: ein Sponsor, der dafür zahlt, dass das Stadion Max-Morlock-Stadion heißen darf. »Max-Morlock-Stadion, sponsored bei 11 FREUNDE, wie wäre das? Mit anderthalb Millionen pro Jahr sind Sie dabei!« Das übersteigt vermutlich die Möglichkeiten dieses Verlages, aber sonst klingt die Sache nicht schlecht. Gesucht wird also ein Wohltäter, der dafür sorgt, dass die Nürnberger Tradition ohne finanziellen Kollateralschaden zu ihrem Recht kommen kann. Nicolas Berggruen, übernehmen Sie!

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