Der HSV unter Bernd Hollerbach

Selbst ein Top-Trainer...

3. Das Problem heißt Spielgestaltung
Hinter dem Offensivproblem steckt ein tieferes Problem: Dem Hamburger SV mangelt es an Spielkultur. Ihnen gelingt es selten, aus dem eigenen Aufbau Chancen zu kreieren. Unter Gisdol jagten sie zahllose lange Bälle nach vorne, die keinen Abnehmer fanden. 

Unter Hollerbach soll der flache Aufbau aus der Abwehr stärker forciert werden. Doch im Aufbau fehlt jede Struktur. Den Abwehrspielern fehlt die Klasse am Ball, um das Mittelfeld einzusetzen. Das Mittelfeld wiederum versteckt sich hinter der gegnerischen Pressinglinie. Ihnen fehlt die Übersicht, um sich freizustehlen. Da bleibt häufig nur der lange Ball — und den wiederum kann niemand festmachen.

Dieses Problem kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren steckt der Hamburger SV fest im Abstiegskampf. Praktisch durchgehend stand das Team unter Ergebnisdruck. Die spielerische Entwicklung wurde vernachlässigt, stattdessen wurde mit Defensiv- und Konterfußball der Klassenerhalt erkämpft. Dadurch entwickelten die Hamburger aber keine Spielkultur — und entwickelten auch nicht ihre eigenen Spieler weiter, die sich mittlerweile im Spielaufbau äußerst schwertun.

4. Selbst ein Top-Trainer könnte aus diesem Kader nicht viel mehr rausholen
Kein spielmachender Innenverteidiger, kein echter Sechser, zu viele schnelle Stürmer, dafür kein Angreifer, der einen Ball festmachen kann: Es gibt zahlreiche Schwachstellen im Hamburger Kader. Gerade im zentralen Mittelfeld mangelt es an Spielern mit Übersicht und Klasse. Selbst wenn Hollerbach ein anderer Spielstil vorschweben würde als schneller Konterfußball — der Kader gäbe nicht viel her.

Auch in diesem Punkt ist die Geschichte des Hamburger SV eine Geschichte des langsamen Niedergangs. Es spricht Bände, dass ein Stürmer-Talent wie Jann-Fiete Arp binnen weniger Wochen zum Heilsbringer erklärt wird — ein 18jähriger, dessen Leistungen naturgemäß schwanken.

Das ist aber die Realität des Hamburger SV. Hollerbach hat sein Bestes versucht, das Team zu stabilisieren. Doch seine Stärken helfen dem Hamburger SV nicht weiter, und auch mit jedem anderen Trainer wäre die Mission abermaliger Klassenerhalt ein halbes Wunder. Sieben Punkte Rückstand haben die Hamburger nun auf den rettenden Relegationsrang. Am Wochenende gibt es das Endspiel gegen den Tabellen-Sechzehnten aus Mainz. Es droht ein noch tieferer Tiefpunkt. Mal wieder.

Das Ende ist nah!