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Der Grund für Japans Fußball-Boom

Zeichnen und Wunder

Noch vor 30 Jahren war Japan ein fußballerisches Entwicklungsland. Dass sich das änderte, hat einen bestimmten Grund: Die Manga-Serie Captain Tsubasa.

imago

Der Mann, der Japans Fußball revolutioniert hat, ist bescheiden geblieben. »Es macht mich glücklich, wenn ich daran denke, dass ich den japanischen Fußball möglicherweise zu einem gewissen Grad nach vorne gebracht habe«, sagt Yoichi Takahashi, ein Mittfünfziger mit Jogi-Löw-Frisur, Brille und chronischem Understatement. Takahashi ist kein japanischer Trainer, er ist kein ehemaliger Star-Spieler oder einfallsreicher J-League-Funktionär. Takahashi ist: Manga-Zeichner.

1978 war Fußball in Japan noch ein exotischer Sport, der im öffentlichen Interesse weit hinter Sumo und Baseball rangierte. Die Weltmeisterschaft 1978 wurde zwar im japanischen TV übertragen, allerdings weitgehend unbeachtet. Eher durch Zufall sah Yoichi Takahashi die Übertragung eines Livespiels. «Ich war 18, sah die WM im Fernsehen und war fasziniert. Ich liebte den Fußball, der dort gespielt und der in Japan nahezu unbekannt war. Und ich wollte diesen Sport bekannt machen.«

Tsubasa erklärte den Japanern das Konzept einer WM

Bereits in der Schulzeit zeichnete Takahashi hobbymäßig Mangas, jene japanischen Comics, in denen die Figuren große Augen und kleine Münder haben. Unter dem Eindruck der WM 1978 fing Takahashi an, sich für den europäischen und südamerikanischen Fußball zu interessieren - und konzipierte seinen ersten richtigen Manga. Er erdachte sich einen elfjährigen japanischen Jungen mit außergewöhnlichem Talent, der in seiner Schulmannschaft Fußball zu spielen beginnt und dessen Traum es ist, einmal mit Japan an der WM teilzunehmen: Tsubasa Ohzora.

Als »Captain Tsubasa« 1981 in der Manga-Zeitschrift »Weekly Shonen Jump« erstmals erschien, gab es in Japan nicht einmal eine professionelle Fußballliga, das Konzept einer Weltmeisterschaft musste Takahashi im ersten Tsubasa-Manga zunächst erklären, da es den meisten Japanern nicht geläufig war.

Eine ganze Generation begeistert

37 Jahre später ist »Captain Tsubasa« mit mehr als 82 Millionen verkaufter Bücher einer der erfolgreichsten Mangas aller Zeiten. Die Geschichte des Jungen, der sich aus seiner Schülermannschaft bis in die Weltspitze des Fußballs vorarbeitet, kommt mittlerweile auf fünfzehn serielle Ableger, sechs Anime-Fernsehserien, vier Filme, vierzehn Videospiele, zahllose Spielzeuge, Kleidung und sonstige Fanartikel. Und doch geht die Bedeutung von »Captain Tsubasa« über ein rein popkulturelles Phänomen hinaus.

Der durchschlagende Erfolg der Serie - »Weekly Shonen Jump« hatte 1981 eine wöchentliche Auflage von knapp 2,5 Millionen - hatte zur Folge, dass sich ganze Generationen japanischer Kinder für den Fußball begeisterten. Kinder, durch deren Bedarf auch die fußballerische Infrastrukture wuchs, in der sie dann mitunter später Profis wurden. Eben weil, wie im Falle von Japans erstem echten Fußball-Star Hidetoshi Nakata, der Faszination für den Fußball eine Faszination für Mangas vorrausging.