Der große Jahresrückblick 2018 (3): Juli - September

Heldentage

Helden, Antihelden und der Start in die neue Saison. Das waren die Monate Juli bis September.

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Juli

Aufreger des Monats: Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft

Es war der letzte große Paukenschlag in der Affäre um Mesut Özil. Am 22. Juli holte Özil auf seinen Social-Media-Kanälen zum Rundumschlag gegen DFB, Sponsoren und Medien aus. »Ur-Deutsche« diskutierten anschließend ernsthaft darüber, ob sich Özil tatsächlich rassistischen Beleidigungen ausgesetzt gefühlt hat oder nicht. Deutsche mit Migrationshintergund teilten dagegen im Netz ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Für den in der Türkei ob seines Rücktritts gefeierten Özil scheint dies der Schlussakt in einer mehr als komplizierten Beziehung mit dem DFB und seinen Fans gewesen zu sein. Die Integrationsdebatte ist dafür noch lange nicht vorbei.

Spieler des Monats: Kylian Mbappe

Er wird noch als Teenager Meister mit Monaco und Paris, stellt bei PSG den Rekordtransfer Neymar in seinen Schatten und ist schon seit Jahren die Galionsfigur der Pariser Banlieues. Doch im Juli 2018 setzte Kylian Mbappé dem Ganzen vorerst die Krone auf: Er wird mit Frankreich Weltmeister, verzaubert die Welt mit seinen Hochgeschwindigkeitssolos und wird dabei auch noch der zweitjüngste Final-Torschütze aller Zeiten. Kein Wunder, dass da langsam die ersten Vergleiche mit Pelé gezogen werden. Der antwortete prompt auf Twitter: »Wenn Kylian so weitermacht und mit meinen Rekorden gleichzieht, muss ich meine Schuhe wohl noch einmal entstauben«.

Spiel des Monats: Belgien - Japan (3:2)

Was dieses Spiel wohl zum mitreißendsten Spiel der WM macht, ist dass die Erwartungen an ein Fußballspektakel im Vorfeld überschaubar waren. Die großen Stars des ewigen Geheimfavoriten Belgien gegen den Fußballzwerg Japan, eine Mannschaft, die sich in der Gruppenphase nur durch die Fair-Play-Wertung gegen Senegal durchsetzen konnte. Die Rollen waren verteilt. Und doch entdeckte Japan etwas, das für ein spektakuläres Fußballspiel sehr hilfreich sein kann: Spielfreude. Dass es selbst nach der 2:0 Führung nicht mal für die Verlängerung reichte, lag daran, dass die Japaner bis in die tiefe Nachspielzeit hinein auf das dritte Tor gingen, anstatt hinten Zement anzurühren. Der Schlussakkord gehörte in der letzten Minute daher den Belgiern, die mit dem am schönsten herausgespielten Konter des Turniers den WM-Traum der vollständig aufgerückten Japaner beendeten.

Video des Monats: Englands Fans rasten nach dem Elfmeterschießen völlig aus

So sieht es aus, wenn man zum ersten Mal seit 22 Jahren ein gewonnenes Elfmeterschießen bejubeln darf. Gänsehaut!