Der große Jahresrückblick 2017 (4): Oktober - Dezember

November: Pirlo, Zentner und das Derby

November

Aufreger des Monats: Der Videobeweis
Gerechter sollte er alles machen, der Videobeweis. Die Schiedsrichter schützen sollte er außerdem, und, na klar, die elenden Diskussionen über Fehlentscheidungen endlich beenden. In der Realität sorgte der Videobeweis in der Hinrunde in erster Linie für Chaos. Was Anfang November, als das Experiment endgültig außer Kontrolle zu geraten droht, dazu führt, dass Hellmut Krug von seiner Aufgaben als Projektleiter entbunden wird. Doch auch danach wird weiter diskutiert, über klare und weniger klare Fehlentscheidungen, über Kann- und Muss-Elfmeter und über das tolle Wort Wahrnehmungsfehler. Fortsetzung folgt.

Spieler des Monats: Andrea Pirlo

Wenn ein Spieler wie Philipp Lahm seine Karriere beendet, dann ist man ein bisschen traurig. Weil der Mann halt immer dabei war - und weil man merkt, wie alt man selber langsam wird. Wenn ein Spieler wie Andrea Pirlo seine Karriere beendet, dann ist man sehr traurig. Weil der Mann fürs Fußballspielen geboren wurde. Und Dinge auf dem Platz anstellte, die uns in Erinnerung riefen, warum wir uns einst in den Fußball verliebten. Pässe aus dem Fußgelenk in Räume, die vorher doch gar nicht da waren. Pirouetten mit Ball so eng am Fuß, dass man sich Sorgen um die Beziehung der beiden macht, weil zu viel Nähe, zumindest in unserer Welt, ja eigentlich immer ins Verderben führt. Und Freistöße, quasi mühelos in den Winkel gestreichelt, weil Pirlo für den Schuss ja keine Kraft aufwenden musste, sondern der Ball, einmal von dessen Fuß berührt, schon verstanden hatte und aus eigenem Antrieb flog, weiter und weiter, weil er ja genau wusste, dass er jetzt Teil einer besonders schönen Geschichte war. Schließlich hatte ihn ja ein Freund, also Pirlo, auf die Reise geschickt. Und als dieser Pirlo am 06.11. die Profiwelt verlässt, als Spieler von New York City FC, da ist den Menschen klar, dass niemand ihnen diese Momente in dieser Form mehr wird liefern können. Und sie trauern deshalb völlig zu recht. 


Video des Monats: Robin Zentner
 passt ohne Ball
Frage: Ist es moralisch verwerflich, während eines laufenden Bundesligaspiels für den nächsten Activity-Abend zu proben und das Wort »Innenseitstoß« pantomimisch darzustellen? Robin Zentner findet: Nein. Was wir klasse finden.  




Spiel des Monats: Dortmund-Schalke 4:4
0:4 hinten. Im Derby. Gegen eine Mannschaft, die doch eigentlich tief in der Krise steckt. Der 25.11. hätte für Schalke zur Hölle werden können. Stattdessen geht der 25.11. als einer der tollsten Tage in der Schalker Geschichte überhaupt ein. Als Tag, an dem sich die Mannschaft selber aus dem Dreck zog, Stück für Stück, Tor für Tor. Um dann, in der Nachspielzeit, mit dem Ausgleich von Naldo die vielleicht emotionalste Aufholjagd der eigenen Historie perfekt zu machen. Wir haben leider keine exakten Zahlen, wie oft Gelsenkirchener Neugeborene seitdem die Namen Guido, Amine, Daniel oder Naldo verpasst bekamen, leiden aber präventiv schon jetzt mit den Kindergärtnern mit, die in drei bis vier Jahren all die Namensvetter werden auseinander halten müssen.