Der große Jahresrückblick 2017 (3): Juli - September

London Calling

Zehntausend Kölner machen Stimmung in London, Ousmane Dembélé verschwindet für ein paar Tage und Schalke verliert den letzten Schalker: Das waren die Monate Juli bis September.

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Juli

Aufreger des Monats: Der Neymar-Transfer

Jetzt sind sie endgültig durchgedreht, diese Fußballheinis, mag der eine oder andere (vollkommen zurecht) gedacht haben, als Ende Juli die ersten Meldungen durchsickerten, dass es Neymar vom glorreichen FC Barcelona nach Paris (bzw. Katar) ziehen würde. Für 222 Millionen Euro Ablöse. 222 Millionen! Eine Rekordsumme, die alle bisher da gewesenen Rekordsummen lockerer sprengte als ein polnischer Kanonenschlag ein Überraschungsei, eine Rekordsumme, die die Menschen der Zukunft, wenn sie in ein paar tausend Jahren mal über den Untergang des einstigen Volkssports Fußball forschen werden, in Lehrbüchern als Point-of-no-Return bezeichnen werden. Und als den Moment, der den Menschen die Bezeichnung Schnapszahl  vermieste.

Spieler des Monats: David Villa
In einem Monat, in dem in den wichtigen Ligen Europas kein Fußball gespielt wird, den Spieler des Monats zu küren, ist nicht ganz so leicht. Weswegen wir den Blick etwas weiten müssen, bis über den großen Teich sogar. Um plötzlich am Horizont, zwischen Rockefeller Center und Times Square, David Villa entdecken, von dem wir gar nicht so richtig wussten, dass es ihn überhaupt noch gibt. Der aber in New York allein im Juli in fast jedem Spielt trifft und auch im Alter von 37 Jahren so wenig verlernt hat, dass er wenig später sogar in die spanische Nationalelf zurückkehren wird. Was dann doch dafür spricht, dass er nicht nur nicht viel verlernt hat, sondern noch immer verdammt gut ist.

Video des Monats: Poldis Japan-Debüt
Während wir uns in Deutschland noch mit dem Saisonstart der zweiten Liga durch die Sommerpause quälen mussten, rollte in Japan längst der Ball. Mit dabei: der ja ebenfalls eigentlich von der Bildfläche verschwundene Podolski. Der in seinem ersten Spiel für Vissel Kobe (?) gleich, na klar, zweimal zulangt und mal wieder Hoffnungen schürt, die er danach nicht so richtig einhalten wird. Trotzdem Daumen hoch.



Spiel des Monats: Deutschland - Chile 1:0
Vor dem Turnier war das Turnier allen egal. Sogar dem Bundestrainer, der auf quasi jeden arrivierten Nationalspieler verzichtete, weswegen Julian Draxler über Nacht zum arrivierter Nationalspieler wurde, weil er der einzige im Confed-Cup-Kader war, bei dem Opa Willi vor dem Fernseher sitzend (denn vor dem Fernseher saßen die Deutschen dann ja doch) zumindest eine ungefähre Idee hatte, wie er denn heißen könnte. Und so wirbelte die deutsche No-Name-Mannschaft unbeschwerter durch das Turnier als ein umherflatternder Brief und zog von Spiel zu Spiel mehr Fans auf ihre Seite. Bis sie im Finale die einigermaßen favorisierten Chilenen schlug und auf einmal als Mannschaft der Zukunft galt, als Team voller Gewinner, als Pool potentieller WM-Fahrer. Unverhoffter in die Schlagzeilen kam im Jahr 2017 nur der Kontostand von Boris Becker.