Der große Jahresrückblick 2017 (1): Januar - März

März: Eine Büste und ein Traumtor

März

Aufreger des Monats: Die großartige Ronaldo-Büste
Um als Steinmetz Erfolg zu haben, muss man extrem talentiert sein. Oder aber extrem untalentiert.  So wie der Mensch, der Cristiano Ronaldo, diesen objektiv betrachtet schönsten aller Fußballer, eine Büste bastelte. Und das Wort bastelte steht hier mit Absicht, wirkte die Büste nach Vollendung doch tatsächlich eher so, als sei sie in einem DIY-Kurs gelangweilter Großstadt-Nichtsnutze entstanden. Und nicht von einem Profi gemacht worden, um damit den Cristiano-Ronaldo-Airport auf Madeira zu schmücken. Wie auch immer, die Büste war so schlecht, dass es schon wieder Absicht gewesen sein könnte, die ganze Welt lachte sich darüber kaputt und wir alle hatten ein paar wunderschöne Tage. Gerne wieder.




Spieler des Monats: Lukas Podolski

Geschichten, die nur der Fußball schreibt, Part 2647: Da steht am 22.03.2017 ein Fußballer auf dem Platz, der gegen jede Wahrscheinlichkeit mehr als 120 Länderspiele absolviert hat. Der sich nie bei einem so richtig großen Klub hat durchsetzen können, dem aber trotzdem Zeit seiner Karriere quasi das ganze Land zu Füßen lag. Der als Jungspund den Capitano ohrfeigte und trotzdem Trainerliebling blieb. Und der, wenn er denn kritisiert wurde, dafür kritisiert wurde, dass er zu eindimensional spiele. Weil seine einzige richtige Stärke sein linker Fuß sei. Mit dem er zwar, das musste man ihm ja lassen, sehr präzise und sehr, sehr wuchtig schießen konnte, wegen dem er aber auch alle andere Fähigkeiten stets vernachlässigte. Und dieser Mann steht jetzt in Dortmund auf dem Rasen, in dem für ihn anberaumten Abschiedsspiel gegen England, und hat bisher nicht viel zu Stande gebracht. Doch dann bekommt er den Ball, knapp 25 Meter vor der gegnerischen Hütte, und hält einfach drauf. Der Ball fliegt, so wuchtig und präzise wie er eben nur bei ihm fliegt, durch den englischen Strafraum. Mit- und Gegenspieler scheinen diesen letzten Luftzug eines an ihnen vorbeirauschenden Podolski-Strahls regelrecht zu genießen, als würden sie wissen, dass sie durch ihre bloße Anwesenheit in diesem Moment Teil einer ganz besonderen Geschichte würden, einer, die eben nur der Fußball schreibt (selbst wenn es schon die 2647. davon ist). Und so staunen sie, manche wünschen dem Ball insgeheim sicherlich auch ein bisschen Glück auf seiner Reise, so wie das ganze Land diesem Ball in diesem Moment viel Glück auf seiner Reise wünscht, auf dass er, weil es ja auch für ihn das tollste Gefühl sein muss, einfach im Winkel landet. Und dann, natürlich, landet er im Winkel. Traumtor. Vom Prinzen. Mit der linken Klebe. In den Giebel. Podolski dreht ab, jubelt ein bisschen, fasst sich zunächst ungläubig an den Kopf und grinst dann so breit, als würde er versuchen, seine beiden Mundwinkel am Hinterkopf zu vereinen. Was ihn am diesem Abend sicherlich auch noch gelungen wäre, hätte er es nur lang genug probiert.

Video des Monats: Die Großkreutz-Tränen-PK
Viel schneller und tiefer als Kevin Großkreutz kann man kaum fallen. Denn nicht mal drei Jahre, nachdem der selbsternannte Fisch zum Weltmeister wurde, sitzt er auf der Pressekonferenz eines Zweitligavereins, mit blauem Auge, und weint. Und wenn blaue Augen und Tränen bei erwachsenen Männern nicht ohnehin schon eindrücklich genug wären, muss sich der Familienvater (!) jetzt auch noch dafür verantworten, dass er mit Jugendspielern unterwegs war, auf einer Abi-Party (!), dass das ganze auch noch irgendwie mit dem Rotlichtviertel zu tun hat und am Ende genau einer auf die Fresse bekam: Kevin Großkreutz. 





Spiel des Monats: Barcelona vs. Pars Saint-Germain 6:1
Der Mensch im Allgemeinen hat eine Schwäche für Aufholjagden. Für den Fußballfan im Besonderen sind Aufholjagden nicht zu toppen. Grade, wenn die Rollen (vermeintlich) so klar verteilt sind wie bei dem Duell zwischen Barcelona und Paris. Auf der einen Seite der edle Fußballverein, gespickt mit Künstlern, die das schöne Spiel lieben, die durch Demut und Gemeinschaftssinn an die Spitze kamen und ein knappes Jahrzehnt die Fußballwelt verzauberten. Auf der anderen Seite der neureiche Schurkenklub. Der Barcelona im Hinspiel dermaßen vermöbelt, dass man sich auf das Wort »Wachablösung« im Vorfeld unbedingt ein Patent hätte besorgen sollen. Und dann, dann laufen die letzten Minuten im Rückspiel und Barcelona schlägt zurück. So gewaltig, dass man sich danach nicht sicher sein kann, ob man diese Schlussphase geträumt hat oder ob das wirklich passiert ist. Erst 4:1, dann 5:1, und dann, in der 95. Minute, das fürs Weiterkommen entscheidende 6:1. Fußball, du unverschämter Hund.