Der große Jahresrückblick 2017 (1): Januar - März

Februar: Das Ende vom Märchen und der dicke »Wettbetrüger«

Februar

Aufreger des Monats: Die Entlassung von Claudio Ranieri
Es gibt auch im Jahr 2017 noch genügend Gründe, den Fußball zu lieben: Spieler, deren Wohlstandsbäuche nach der Winterpause gemütlich und sichtbar von innen ans Trikot drücken, der besoffene Typ in der Reihe vor dir, der zuverlässig immer erst zwei Sekunden nach allen den Stinkefinger zückt, Pierre-Michel-Lassoga-Tore mit dem Schienbein, Schienbein-Tore im Allgemeinen. Und dann gibt es Tage wie den 24.02.2017, die einen an allem zweifeln lassen. Denn am 24.02.2017 entlässt Leicester City Trainer Claudio Ranieri. Den Mann also, der nicht mal ein Jahr vor der Entlassung mit seiner Mannschaft das größte Fußballwunder der vergangenen Jahrzehnte bewerkstelligt hatte, der die ganz Großen der Branche an der Nase herumgeführt hatte und in der schwersten Liga der Welt mit Spielern wie Jamie Vardy (kurz zuvor noch Amateur und im Knast) oder Christian Fuchs (kurz zuvor aussortiert auf Schalke) sensationell die Meisterschaft feierte. Und der dann, als der Abstiegskandidat Leicester City plötzlich wieder spielte wie ein Abstiegskandidat, vor die Tür gesetzt wurde. Und wer endgültig den Glauben an den schönsten Sport der Welt verlieren wollte, der musste sich nur die fünf ersten Spiele nach Ranieris Entlassung anschauen. Die gewann Leicester nämlich allesamt. Danke für gar nichts, Leicester City.

Spieler des Monats: Wayne Shaw
Für manche Menschen hätte das Jahr im Februar enden müssen, denn dann wäre es großartig gewesen. So ein Mensch ist Wayne Shaw, im Februar noch ein etwas in die Jahre gekommener, aber glücklicher Ersatzkeeper in der fünften englischen Liga - und ansonsten ziemlich genau die Art Kerl, die man sich unter einem etwas in die Jahre gekommenen Ersatzkeeper in der fünften englischen Liga vorstellt: ein bisschen zu fett, um noch als dick durchzugehen, und, natürlich, für jeden Spaß zu haben. Und so saß er, der schon in der Woche vor dem Pokalspiel gegen die Superstars von Arsenal der Welt ulkigerweise als vermeintlicher Arsenal-Schreck vorgestellt worden war, gegen die Profis also tatsächlich auf der Bank. Und verdrückte während des Spiels, warum auch nicht, ein Sandwich. Die Aktion machte die Runde, Shaw wurde über Nacht berühmt und beliebt, und dann, ja, dann hätte es einfach vorbei sein müssen, dieses Jahr. Stattdessen wurde Shaw Monate später wegen illegaler Einflussname auf Wetten von der FA zunächst verklagt und dann verurteilt. Denn dummerweise hatte man vor dem Spiel darauf wetten können, dass Shaw ein Sandwich essen würde. Was diverse Kumpels von Shaw dann auch machten. Schade.

Video des Monats: Faire Fangesänge
Schon klar, Eigenlob stinkt. Doch einen Internethype mit einem echten (Kneipen)Chor aufzunehmen, ja, das war schon eine ganz gute Idee....




Spiel des Monats: Florenz vs. Gladbach 2:4
Mal angenommen, man müsste sich, um Kapitän einer Bundesligamannschaft zu werden, für diesen Posten bewerben. Man bräuchte dafür möglichst beeindruckende Referenzen, beispielsweise Empfehlungsschreiben ehemaliger Trainer, und eine Fülle an Arbeitsproben, also Highlight-Compilations, »Skills & Goals«, das ganze Programm. Oder man hieße Lars Stindl, wäre ein Teufelskerl und müsste keinen Finger mehr krumm machen. Weil man spätestens nach einem Spiel wie dem von Stindl in Florenz, in dem er seine Mannschaft nach 0:2-Rückstand mit drei Toren im Alleingang ins Europa-League-Achtelfinale gewuchtet hatte, von Headhuntern umschwirrt werden würde wie ein gewissenloser Topmanager. Oder, anders gesagt: Mit dem Spiel in Florenz hat sich der Gladbacher Kapitän Lars Stindl für diesen Verein unsterblich gemacht.