Der große Jahresrückblick 2017 (1): Januar - März

Poldi, Poldi, Halleluja!

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Höchste Zeit also, Bilanz zu ziehen. Was war super? Was war scheiße? Und wie genial war bitteschön Poldis Abschied? Hier kommen die Monate Januar bis März. 

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Januar

Aufreger des Monats: Die Transferposse um Dimitri Payet

Der Transfermarkt der Moderne zieht nicht gerade die vorteilhaftesten Wie-Wörter an: Überhitzt sei er, gespickt mit geisteskranken Akteuren noch dazu, außerdem willkürlich in der Schlussphase einer jeden Periode und für den eigenen Verein am Ende sowieso immer komplett beknackt gelaufen. Ebenfalls beliebter Gegenstand bierseliger Schimpftiraden: die durchgeknallten Scheiß-Millionäre. Zu denen im Januar 2017 Dimitri Payet anscheinend unbedingt dazugehören will. War er im Jahr zuvor noch DIE Überraschungsgranate der Premier League gewesen, weigert er sich plötzlich, trotz kurz zuvor unterschriebener Vertragsverlängerung, weiter für West Ham aufzulaufen. Und wird innerhalb weniger Wochen zum meistgehassten Fußballer der Insel und zum Nervthema überhaupt. Am Ende wechselt er, warum auch immer, zu Olympique Marseille, verschwindet dann in der Bedeutungslosigkeit und macht uns immerhin bewusst, dass wir nicht die einzigen Trottel sind, die sich mit komischen Launen selbst im Weg stehen. Danke dafür.

Spieler des Monats: Neven Subotic

Wir versetzten uns zurück an den Anfang des Jahres. Nach Dortmund und in eine Welt, in der weder versucht worden war, die BVB-Mannschaft mit einem Bombenattentat umzubringen, noch uns 0815-Fans so wirklich klar war, dass sich Thomas Tuchel und Aki Watzke niemals aus reiner Kumpelei gegenseitig beim Renovieren helfen würden. Damals gab es lediglich eine Dortmunder Mannschaft, die sehr guten und vor allem erfolgreichen Fußball spielte, nach vorne gepeitscht von jungen Sensations-Spielern wie Ousmane Dembele oder Julian Weigl. Also ein Team, in dem ein verdienter, aber gefühlt Jahrzehnte älterer Spieler wie Neven Subotic immer mehr wirkte wie ein mieser Reise-nach-Jerusalem-Spieler: Er fand einfach seinen Platz nicht mehr. Und flüchtete deswegen im Januar 2017, nach zwei Meisterschaften, einem Pokalsieg und einem verlorenen Champions-League-Finale, nach Köln. In diesem Moment hätte klar sein müssen, dass dieses Jahr als wohl komischstes in die BVB-Geschichte eingehen würde.

Video des Monats: Die ultimative Rod-Stewart-Show

Sich Stargäste für Pokalauslosungen ins Fernsehstudio zu holen, ist immer dann eine gute Idee, wenn die Stars Rod Steward heißen und sie sich vor der Sendung ordentlich vollgemacht haben. Insofern kann man dem schottischen Fernsehen nur gratulieren zu einer besonders gelungenen Show, damals, im Januar 2017, als Rod Stewart, die üppige Wolfsmähne lässig übergestülpt, besoffen die Partien der fünften Runde des schottischen Pokals zog.



Spiel des Monats: Chapecoense vs. Palmeiras 2:2
Erst 54 Tage waren vergangen, seitdem das Flugzeug, in dem fast die komplette Mannschaft von Chapecoense gesessen hatte, an einem kolumbianischen Berg zerschellt war. 71 Menschen verloren bei dem Unglück im November 2016 ihr Leben, darunter 19 Spieler und 24 Betreuer des Vereins. Und nun, am 22.01.2017, spielte AF Chapecoense wieder Fußball. Es war zwar nur ein Freundschaftsspiel, gegen Palmeiras Sao Paolo, und auf dem Platz stand eine komplett unbekannte Mannschaft, zusammengewürfelt aus geliehenen Spielern und der Solidarität halber von anderen Mannschaften günstig zur Verfügung gestellten Neuzugängen, doch als Douglas Grolli für Chapecoense den Ausgleich erzielte, herrschte im Stadion trotzdem der Ausnahmezustand. Und in all die Tränen und Trauer mischte sich plötzlich auch wieder ein kleines bisschen Zuversicht.