Der fünffache Lewandowski

51. 52. 55. 57. 60. – Ewigkeit

»Hahahahahahaha sorry aber das hab ich in meinem Leben noch nicht gesehen«, twitterte Mats Hummels. Er ist nicht der Einzige: Fünf Tore in neun Minuten! Robert Lewandowski hat sich unsterblich gemacht.

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»Ich weiß auch nicht, was passiert ist«, sagte Daniel Caligiuri, Tränen oder Schweiß oder beides in den Augen, Sekunden nach dem Abpfiff mit zitternder Stimme. Fieldreporter kennen kein Erbarmen, sie fragen immer diejenigen nach Erklärungen, die sie nicht haben, und an diesem Abend der Dritten Art traf es den armen Caligiuri, der nun dastand wie einer, der beim Gassigehen am Mittellandkanal eine fliegende Untertasse gesehen hatte. Ein Augenzeuge nurmehr, kein Akteur, degradiert zum Statisten in einem Science-Fiction-Blockbuster, der vor seinen Augen Wirklichkeit geworden war.

Ein ganz normales Spiel. Doch dann...

Dieser Caligiuri war es gewesen, der den VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern in Führung gebracht hatte, als alle dieses Spiel noch für eines von vielen gehalten hatten und das ein Lothar Matthäus, als SKY-Experte geladen, unter seinen »Sportbild«-Platittüden begraben durfte, ohne dass man unbedingt hätte aufschreien wollen. Doch dann passierte innerhalb von neun Minuten etwas, das den Gang dieses Spiels, der Saison, ja der Bundesligageschichte, änderte, ein urplötzliches Spektakel, eine Explosion, etwas, wovon Daniel Caligiuri eben nicht sagen konnte, was es war, worüber auch jeder andere im Stadion nur fassungslos staunte, woran alle Expertisen zerschellen mussten und was noch Generationen von Fußballenzyklopädisten die Schreibhand zittern lassen wird:

1:1 Lewandowski (51.)
2:1 Lewandowski (52.)
3:1 Lewandowski (55.)
4:1 Lewandowski (57.)
5:1 Lewandowski (60.)

Fünf Tore in neun Minuten: Rechnet man diese Frequenz auf 90 Minuten hoch, kommt man auf 50 Tore. Zum Glück für Wolfsburg, zum Glück für uns alle kam Robert Lewandowski erst zur zweiten Halbzeit ins Spiel und ließ es nach seinem Exzess ruhiger angehen. So wie alle anderen auch. Es war, als brächten sie es hinter sich, um möglichst schnell die Aufzeichnung dieser paranormalen neun Minuten zu sehen, am besten noch in der Zeitung nachzuschauen, wo es Schwarz auf Weiß stehen würde, und erst dann wäre es wahr.

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Michael Tönnies vom MSV Duisburg hat mal drei Tore in fünf Minuten geschossen, am 27. August 1991 war das, gegen den Karlsruher SC, im Tor stand kein Geringerer als Oliver Kahn. Ein Rekord für die Ewigkeit, so schien es. Robert Lewandowski brauchte für seinen Hattrick nur 3 Minuten und 22 Sekunden. Ole-Gunnar Solskjaer, den sie bei Manchester United the baby-faced assassin nannten, wurde in einem Spiel gegen Nottingham Forest erst zwölf Minuten vor Schluss eingewechselt und erzielte trotzdem vier Tore. Nicht nur in England dachte man, das sei nicht zu übertreffen. Dann kam Lewandowski.