Der DFB und die Trainerfrage

Die Nationalelf braucht keinen Entwickler mehr

Dass sich der DFB so auf Löw versteift, liegt auch daran, dass es im Moment einfach keinen geeigneten Kandidaten für den Posten gibt. Was wiederum daran liegt, dass der Job über die Jahre deutlich an Attraktivität verloren hat. Bundestrainer, das gilt vielen immer noch als Krönung eines Trainerlebens - aber das ist schon lange nicht mehr so. Wenn die Stelle frei wird, werden trotzdem, traditionellen Reflexen folgend, erst einmal die größtmöglichen Namen ins Spiel gebracht.

In Deutschland sind das derzeit Thomas Tuchel, Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann. Aber die besten Trainer arbeiten nicht bei Nationalteams, sondern bei den großen Klubs des europäischen Fußballs. Das hat nicht nur finanzielle Gründe, es liegt auch in der Art der Arbeit begründet.

Der umgekehrte Sacchi

Die angesagten Trainer von heute wollen Mannschaften entwickeln. Das können sie nicht, wenn sie ihre Spieler einmal im Monat für drei bis acht Tage um sich haben. Jemand wie Tuchel würde sich von der Arbeit mit der Nationalmannschaft regelrecht unterfordert fühlen.

Arrigo Sacchi, der große Trainer des AC Mailand, hat vor 20 Jahren gesagt: »Fußball sollte immer auf dem höchstmöglichen Level gespielt werden, und kein Klub wird jemals das Niveau einer Nationalmannschaft erreichen.« Inzwischen ist es genau umgekehrt.

Die großen Linien braucht es nicht mehr

Der Fußball ist heute ein anderer, als er es 2004 war. Joachim Löw war auch deshalb so erfolgreich, weil er in den ersten Jahren als Bundestrainer wie ein Vereinstrainer gearbeitet hat, weil er aus der Mannschaft auf diese Weise mehr herausgeholt hat, als an individueller Klasse in ihr steckte. Löw hat nicht kurzfristig gedacht, sondern in großen Linien.

So aber wird es in Zukunft vermutlich nicht mehr sein, auch gar nicht mehr sein müssen - egal ob Löw in diesem Sommer aufhört oder erst in vier Jahren nach Ablauf seines Vertrages.

Die Nationalmannschaft braucht keinen Entwickler mehr

Dass Bundestrainer eine mittlere Ewigkeit im Amt bleiben, manche sogar länger, gehört beim DFB gewissermaßen zur Staatsräson. Sepp Herberger hat zwanzig Jahre lang das Nationalteam trainiert, Helmut Schön vierzehn, und selbst Berti Vogts ist acht Jahre geblieben. Der holländische Verband hat in den vergangenen acht Jahren sechs Nationaltrainer beschäftigt. Die Kontinuität auf dem Trainerposten hat dem DFB ganz sicher nicht geschadet.

Trotzdem wird sich der Verband, spätestens nach Löw, von diesem Prinzip verabschieden müssen - weil die Fußballwelt sich verändert hat. Die Nationalmannschaft braucht nicht mehr zwingend einen Entwickler; ihr reicht jetzt auch der Leiter eines zeitlich begrenzten Projektes. Das schränkt die ohnehin beschränkte Anzahl geeigneter Kandidaten zumindest nicht noch weiter ein.

Im Moment zum Beispiel wäre Arsène Wenger verfügbar.