Der DFB und die Trainerfrage

Warum Hansi Flick keine Rolle spielt

Aber ein Alternativplan existiert beim DFB offenbar nicht. Das erinnert fatal an 2004, als Rudi Völler bereits am Morgen nach dem letzten Gruppenspiel der Presse seinen Rücktritt erklärte, weil er sich selbst für nicht mehr vermittelbar hielt. Es folgte eine wochenlange Suche nach einem neuen Bundestrainer und schließlich die überraschende Anstellung von Jürgen Klinsmann, auf den der Verband eher zufällig gekommen war.

Kaum war das Spiel der Deutschen gegen Südkorea am vergangenen Mittwoch beendet und ihr Vorrundenaus besiegelt, da begannen in den sozialen Netzwerken bereits die Debatten um Löws mögliche Nachfolger. Einer der ersten Namen, die genannt wurden, war der von Matthias Sammer. Das ist in mehrfacher Hinsicht bezeichnend. Sammer hat zuletzt 2005 als Trainer gearbeitet, im Unterbewusstsein des deutschen Fußballvolkes aber ist er anscheinend immer noch der Schattenbundestrainer, der er in seiner Zeit als Sportdirektor beim DFB (2006 bis 2012) einmal war.

Kaum Alternativen vorhanden

In erster Linie war Sammer in dieser Funktion für die programmatische Entwicklung des deutschen Fußballs zuständig; zu seinem Jobprofil gehörte allerdings auch, bei einer unerwarteten Vakanz auf der Position des Bundestrainers übergangsweise einzuspringen. Es war eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen der erratischen Bundestrainersuche im Sommer 2004.

Nach der Neuorganisation des Verbandes im vergangenen Jahr existiert die Stelle des Sportdirektors nicht mehr. Es gibt jetzt einen »Sportlichen Leiter Nationalmannschaften«. Er heißt Joti Chatzialexiou, ist 42 Jahre alt und in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Chatzialexiou hat früher als Jugendtrainer bei Eintracht Frankfurt gearbeitet, für Löws Nachfolge kommt er, selbst übergangsweise, nicht in Frage. Überhaupt könnte man sich aus dem Personalbestand des DFB allenfalls Stefan Kuntz, den U-21-Nationaltrainer, in der Rolle des Bundestrainers vorstellen - dank seiner Vita als Spieler.

Grundsätzliche Differenzen mit Hansi Flick?

Die in der Vergangenheit häufiger praktizierte Lösung, den Co-Trainer zum Chef zu befördern (Herberger, Schön, Derwall, Vogts, Löw), ist hingegen ausgeschlossen. Thomas Schneider und Markus Sorg haben es nicht geschafft, sich in Löws Schatten zu profilieren, vielleicht wollten sie es auch nicht.

Bei Hans-Dieter Flick war das noch anders. Löws erster Assistent (2006 bis 2014) ist in der Öffentlichkeit immer etwas spröde rübergekommen. Ein begnadeter Rhetoriker war und ist er ganz sicher nicht, aber Flick hatte einen eigenen Kopf und war dank seiner fußballerischen Kompetenz ein gleichwertiger Partner des Bundestrainers. Ohne ihn, so sagen viele, wäre das Nationalteam 2014 nicht Weltmeister geworden. Trotzdem spielt Flicks Name in der Nachfolgedebatte bisher keine Rolle.

Sein Abschied vom DFB im Januar 2017 ist immer noch etwas rätselhaft. Wer grundsätzliche Differenzen dahinter vermutet, liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch.