Der BVB im Herbst 2018

Endlich wieder eins

Der BVB ist das Team der Stunde. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Nach langen Krisenjahren hat die Borussia unter Lucien Favre wieder in die Spur gefunden. Im Jahr zuvor wäre er krachend gescheitert.

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Dan-Axel Zagadou platzte vor Selbstvertrauen. Gerade hatte jemand in der zweiten Minute der Nachspielzeit Achraf Hakimi von den Beinen geholt. Der 19-jährige Franzose wollte sich das nicht mit anschauen. Er stürmte nach vorne. Schubste Angel Correra, ließ sich von Juanfran nichts sagen, bot Diego Costa die Stirn. Marco Reus und Mario Götze hatten sich zuvor ähnlich Duelle geliefert. Es war ihr Abend, nicht der von Atletico. Die Anzeigetafel zeigte es: Borussia Dortmund 4 Atletico 0.

Neun Punkte aus drei Spielen in der Champions League, Tabellenführer in der Bundesliga, jedes Spiel ein Spektakel. Tore vor der Pause, Tore nach der Pause. Tore durch jeden einzelnen Spieler, Tore mit jedem ersten Ballkontakt nach Einwechslung. Das heißeste Team Europas, mindestens. Der Bundesliga-Titel nur eine Frage nach der Zeit, in der Champions League geht es bis ins Halbfinale. Aber wer soll diesen BVB überhaupt schlagen? Er ist wieder da.

Eine neue Mentalität

War nicht absehbar. Unangenehme Jahre liegen hinter der Borussia. Häufig erzählt. Schlagzeilen schrieb der BVB nur noch außerhalb des Platzes, über den sich eine schwerfällige, hochbezahlte Truppe schleppte, die alles sein wollte und nichts war.

Yarmolenko, Schürrle, Sokratis, Castro verließen den Verein in der Sommerpause. Nicht unbedingt Spieler, die das Spiel getragen hatten. Dazu noch einmal volles Risiko auf dem Transfermarkt. Diallo, Delaney, Witsel, Wolf, Alcacer, Hakimi. Aber seit langer Zeit auch wieder erfahrene Spieler für Schlüsselpositionen. Eine Abkehr vom Gießkannenprinzip vergangener Jahre. Eine neue Mentalität. Ein starker Kapitän, der sich schützend vor seine Mannschaftskameraden stellt. Die Diskussion um Mario Götze erklärte er für beendet. Das signalisierte einen neuen Teamgeist.

Neue Reize

Beinahe kurios mutet es da an, dass der Dortmunder Aufschwung in der Saison 2018/2019 ohne den großen Kampf der Vorsaison nicht möglich gewesen wäre. Peter Boszs Scheitern war zwangsläufig. Er musste einen hastigen Umbruch moderieren. Im Laufe des ersten Halbjahres 2017 hatte der BVB das Heft des Handelns aus der Hand gegeben. Der alles überlagernde Streit um Tuchel, der Anschlag auf die Spieler der Borussia und der Umgang mit diesem. Dembeles Wechsel, Aubameyangs Unzufriedenheit. Das alles war zu viel für den hastig gecasteten Trainer, der den Turbulenzen eine, zugeben, nur recht eindimensionale Spielidee entgegensetzen konnte.

Peter Stöger verhinderte noch den kompletten Zusammenbruch. Irgendwie gelang es ihm den in sich zusammenfallenden Kader in die Champions League zu führen und den Verein damit vor einem weiteren Krisenjahr zu bewahren. Das war seine Aufgabe. Es war keine einfache. Er konnte sie erfüllen. Die Wege trennten sich trotzdem.

Der Ballspielverein hielt nicht an seinem Retter fest. Die Verantwortlichen wussten: Wir müssen uns neu aufstellen, wir brauchen neue Reize. Zum Führungsduo Watzke und Zorc gesellten sich die Ex-Spieler Sebastian Kehl und Matthias Sammer. Der eine, Kehl, am Anfang seiner Funktionärskarriere und der andere, Sammer, über allem schwebend.