Der BVB in der Einzelkritik

Piszczek, Schmelzer, Durm, Weigl und Castro

Lukasz Piszczek
Einmal an diesem Abend entschloss sich Lukasz Piszczek dann doch, mal weit bis in die gegnerische Hälfte vorzudringen. 85 Minuten waren da gespielt und der Pole flankte nach innen, wo Pierre-Emerick Aubameyang schon sehnsüchtig wartete. Dass er diesen Ball über das Tor schoss, konnte man zumindest Piszczek nicht ankreiden, wohl aber, dass er sich seine so gefürchteten Flankenläufe so lange aufgespart hatte. Defensiv klebte der Rechtsvertediger seine Seite sauber zu, Gegenpart Franck Ribery wurde erfolgreich kaltgestellt. Nur fehlte Piszczek dafür die offensive Energie, die seiner Mannschaft ganz sicher gut getan hätte.

Marcel Schmelzer
Zugegeben, allein die Vorstellung, gegen Douglas Costa verteidigen zu müssen, würde den Autor dieser Zeilen vermutlich dazu bewegen, sich ins Exil auf ein fernes Eiland zu begeben. Aber er ist ja auch nicht Marcel Schmelzer. Der machte das in der ersten Halbzeit ziemlich gut, wurde dann aber in Durchgang zwei so hartnäckig vom blitzschnellen Brasilianer beackert, dass er nach 70 Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Vermutete Diagnose: schweres Kniescheibentrauma aufgrund von verknoteten Unterschenkeln.

Erik Durm
Kam für Schmelzer und verdiente sich Extra-Kapitel in zukünftigen Lehrbüchern für angewandte Einwechselspieler-Logik. Seine Frische und die noch zur Verfügung stehende Schnelligkeit verhalfen der Borussia, sich zumindest ein wenig aus dem Klammergriff der Münchener zu befreien. Zudem schlidderte sich Durm in die Herzen all derer, für die ein krachend gewonnener Zweikampf noch immer so schön ist, wie ein Sololauf mit Übersteiger und Gedöns: nach 95 Minuten grätschte Durm den freistehenden Lewandowski so spektakulär ab, dass irgendwo im Ruhrgebiet Jürgen Kohler von einem Weinkrampf der Freude geschüttelt wurde.

Julian Weigl
Wenn man diesen Weigl so sieht, dann möchte man ihn zur Seite nehmen, den schlecht sitzenden Konfirmationsanzug noch einmal glatt streicheln und ihm erklären, wie das so läuft mit den Mädchen. Stattdessen steht dieser Milchbubi gegen die Bayern im Pokalfinale von Berlin auf dem Rasen und spielt so fehlerfrei und souverän, dass man glauben könnte, er mache das hier jeden Tag. Fazit des Abends: Sollte Jogi Löw sich entscheiden, den Burschen mit zur EM zu nehmen, macht er nicht viel falsch. Vermutlich muss man Weigl noch nicht mal erklären, wie das so mit den Mädchen läuft.

Gonzalo Castro
Einer von diesen Spielern, deren Arbeit man vor allem daran messen kann, wie der Gegner gespielt hat. Zwar spielte der ziemlich gut, aber trotzdem gelang es dem Duracell-Hasen namens Castro das Aufbauspiel der Bayern zu stören wie dem Klassenclown das Referat vom Musterschüler. Erfreulich auch, das Castro nach Riberys Augenpiekser nicht kreischend zusammen brach und den heran eilenden Medizinern seinen letzten Willen diktierte. Hätte nicht zu diesem Spieler, hätte nicht zu diesem Spiel gepasst.