Der bitterböse PSG-Brief an die Uefa

»Wir haben keine Lobby«

Gestern schied Paris Saint-Germain kurz vor Schluss in der Champions League aus. Mal wieder. Weshalb der Verein einen Komplott der Uefa vermutet. Und vielleicht diesen Brief schreibt.

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Liebe Uefa,

Wie geht es Ihnen? Uns geht es sehr schlecht. Wir sind wie ein halber Liter Buttermilch, den man zwei Wochen auf einer Heizung (Stufe 4) vergessen hat und dessen Deckel man nun öffnet: Sehr sauer. Deshalb trinken wir keine Buttermilch, nur Champagner. Der wird eigentlich nie schlecht, reagiert nur empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung. Das ist aber in unserer Schattenwelt kein Problem.

»Fuck you«

Gestern blieb uns der Champagner jedoch im Halse stecken. Wir verloren 1:3 gegen Manchester United. Schieden aus der Champions League aus. Eigentlich wäre uns das egal. Aber die Super League braucht noch etwas Vorbereitungszeit. Und so lange wollen wir es machen wie ausgezeichnete Bodybuilder bei der Nahrungsaufnahme: Trophäenschränke füllen.

Apropos Nahrung: Wir fühlen uns veräppelt. Unser Superstar Neymar, den wir nur durch die geschickte Umgehung des Financial Fairplay an uns binden konnten, schrieb nach dem Spiel: »Fuck you.« Dafür wollen wir uns in seinem Namen entschuldigen. Wenn hier einer fickt, dann sind wir das. Und deshalb wollen wir einiges klarstellen.

Wir haben das Investment Katars, das uns durchschnittlich 215 Millionen Euro pro Jahr einbringt, nicht umsonst als billigen Sponsorendeal verpackt. Nein, das hat das Honorar vieler Top-Anwälte erfordert. Sie haben das gebilligt. Es ist eine Schande, dass wir seitdem nicht einmal zeigen durften, was wir mit dem ganzen Geld anstellen könnten, weil wir immer und spätestens im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden sind.

Verstehen Sie uns nicht falsch!

In den zähen Verhandlungen mit Ihnen, der Uefa, haben wir klargemacht, dass wir Ihre Regeln nicht nur missachten sondern auch verachten. Dass wir uns um Ihre Regelbücher nicht scheren. Es ist deshalb unfair, vielleicht sogar illegal, dass gestern Abend ausgerechnet die Handspielregel unser Aus besiegelte.

Wir haben mit Ihnen verhandelt. Wir haben Ihnen gedroht. Wir haben hinter Ihrem Rücken einen neuen Fußballverband geplant. Und jetzt haben wir das Gefühl, dass Sie uns das übelnehmen. Warum?

Verstehen Sie uns bitte nicht falsch. Das alles kommt für uns nicht überraschend. Wir haben schon länger den Verdacht, dass Paris Saint-Germain keine Lobby in der Uefa hat. Weshalb unser Vereinspräsident Nasser Al-Khelaïfi nun im Uefa-Exekutivkomitee sitzt. Er müsste das nicht tun. Er ist gar kein Europäer. Trotzdem kümmert er sich jetzt um Ihre Probleme.

Es ist Aschermittwoch: Wir verzichten! 

Und dieser Verband hat einige Probleme. Er steht nahezu im Gegensatz zu unseren Prinzipien. Wo kommen wir denn hin, wenn allein die sportliche Leistung, ja das Schicksal, über Sieg oder Niederlage entscheidet? Wenn man sich seinen Titel nicht mehr ehrbar kaufen kann? (In dieser Frage wissen wir übrigens Marcus Prinz von Anhalt auf unserer Seite.)

Zur Erinnerung: Wir haben in Ihrer Organisation führende Köpfe wie den FFP-Vorsitzenden Brian Quinn austauschen lassen, damit unsere Forderungen von Ihnen akzeptiert werden konnten. Wir haben Ihnen, so kann man das sagen, großzügig geholfen. Wir haben am Ende sogar 20 Millionen Euro Bußgeld gezahlt. Viel Geld. Ein halber Julian Draxler. Und der spielt bei uns meist gar nicht. Diese Mannschaft wurde dazu auserkoren, Rekorde zu brechen. Nach einem 2:0 auswärts doch noch auszuscheiden, ist zwar auch ein Rekord, wie wir seit gestern wissen - auf den hätten wir aber gerne verzichtet.

Und dass unser Präsident auf etwas verzichtet, kommt wirklich selten vor. Es wäre schön, wenn er auch auf weitere Maßnahmen gegen Ihr Unternehmen verzichten könnte.

Mit Freude erwarten wir deshalb Ihre Rückmeldung und den Champions-League-Pokal 2020.

Denn ein katarisches Sprichwort besagt: »Wickel um deinen Finger einen Verband, und alle werden dir Medizin verschreiben«. Was das Medizin soll, wissen wir nicht. Das mit dem Verband haben wir beherzigt.

In diesem Sinne,
Paris Saint-Germain

P.S.(G.): Das ist keine Drohung, Sie können es aber gerne als solche auffassen. Grüße an die »Spiegel«-Redaktion.