Der bescheidene Etxeberria

Woran wir glauben wollen

Eine schöne Nachricht für alle Romantiker: Joseba Etxeberria verzichtet aus Loyalität zu seinem Verein Athletic Bilbao auf sein Gehalt. Ihre Wirkung zeigt, wie gern wir alle an eine heile Fußballwelt glauben möchten. Der bescheidene Etxeberria Imago Gestern mussten wir uns noch über Jose Mourinho aufregen, den Inter-Zampano, der auf offener Szene mit seinen 14 Millionen Euro Jahressalär gewedelt hatte wie ein Exhibitionist mit etwas, das wir uns lieber nicht allzu lang vorstellen möchten. Doch schon kurz danach versöhnte eine Meldung aus Spanien uns im Handstreich wieder mit dem Fußballgeschäft: Joseba Etxeberria, langjähriger Außenstürmer von Athletic Bilbao, verzichtet auf sein Gehalt.

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»Ich habe Bilbao viel zu verdanken«, so Etxeberria. »Auch in schweren Zeiten, in denen ich verletzt war, hat man immer an mich geglaubt. Dieses Vertrauen will ich damit zurückzahlen.«

Bemerkenswert ist diese Geste vor allem im Kontrast zur ekelhaften Geldverliebtheit Mourinhos, deren Zeuge wir am selben Tag geworden waren. Bemerkenswert ist sie auch deshalb, weil Athletic nicht in finanziellen Kalamitäten steckt.

Hach! Oder?


Bemerkenswert ist aber nicht zuletzt, wie sehr wir mit einem seligen Seufzer auf einen solchen Akt der vermeintlichen Bescheidenheit anspringen. Sie birgt eine dieser Geschichten in sich, an die wir so gern glauben möchten: Dass da noch jemand ist, der nicht wegen des Geldes spielt, sondern aus Liebe zum Sport, dem Verein und seinen Fans.

Darum übersehen wir gern die Hundertausende, die Etxerberria, einer der drei Großverdiener bei Athletic, sich in den Jahren zuvor ansparen konnte – und die ihm die mildtätige Schenkung erst ermöglichen.

Um auf Geld verzichten zu können, muss man es haben. Das sollten wir bei all unserer verklärenden Sehnsucht nach einer guten Welt nicht vergessen.